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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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164 I. Kriege von 16131689.

Kasaken auf 40000. 4) Auslieferung Tschaplizki's, Chmjel-nizki's Feind, und 5) Entfernung Wischnewezki's vom Ober-befehl über das polnische Heer. Begreiflicher Weise konnten solcheBedingungen nicht angenommen werden, noch den Frieden mit Polenherbeiführen, im Gegentheil, sie bedeuteten Erneuerung des Krieges,zu welchem beide Seiten denn auch zu rüsten begannen.

Die polnischen und kleinrussischen Chronisten widersprechen sichhinsichtlich der Zeit und der Darstellung der folgenden wichtigen Kriegs-ereignisse. Obgleich die Einen wie die Andern nicht ganz unparteiischsind, so ist doch jedenfalls den polnischen weit weniger zu glauben, undkann man sich auf die kleinrussischen mehr verlassen. Nach dieseneröffneten die Kasaken zuerst die Feindseligkeiten, sowohl in derUkraine, als in dem benachbarten Lithauen, und zwar schon im Februar1649. Diese Feindseligkeiten bestanden in Scharmützeln einzelner Ab-theilungen , welche mehr zum Vortheil der Polen als der Kasaken aus-schlugen, denn diese erlitten Niederlagen bei Swjagola, Ostropolje undBar. Chmjelnizki selbst rückte am 1. März ins Feld und zog,nachdem er sich mit dem Krym-Khan Islam-Ghire'i II vereinigt hatte,nach Sbarash *) mit einem zahlreichen Heere, nach der sehr über-triebenen Erzählung desPastorii (Pistorius) hatte Europa ein solchesHeer seit den Hunneneinfällen und Tarnerlan's Tagen noch nichtwieder gesehen, denn es sei 300 000 Mann stark gewesen, während denebenso viel unterschätzenden Angaben desselben Historikers zufolge diePolen nicht über 9000 Mann stark gewesen seien, unter Führung vonWischnewezki, Firle'i, Lanskoronski, Konjezpolski u. A.**).Am 25. März mit Tagesanbruch näherten sich Chmjelnizki und derKhan Sbarash, vor welchem sie bereits das polnische Heer Wischne-wezki's in Schlachtordnung aufgestellt fanden, die aufgerufene Pos-politoje Buschenie (Landwehr, Volksaufgebot) vorn, die alten Truppendahinter, wahrscheinlich zur Unterstützung oder zum Halt für dieselbe.Chmjelnizki theilte sein Heer in 3 Colonnen, aus Fussvolk undabgesessener Reiterei gebildet, mit beigegebenen Geschützen, 2 Reiter-

*) Sbarash, alte Erbbesi tzung der Fürsten Wischnewezki, heute im Nord-osten von Galizien, nahe der Grenze des Gouvernements Volhynien, in welchem,nördlich von Sbarash, sich Schloss und Flecken Wischnewez befinden, gleichfallsErbgut dieser Fürsten.

**) Die polnischen Chronisten, wie schon öfter bemerkt, vergrösserten immer dieKräfte ihrer Gegner, während sie ihre eigenen verringerten. In der »Geschichte derBussen« wird erzählt, dass Chmjelnizki 7000 Kasaken unter sich hatte, diezum Schutz der Ukraine Bestimmten ungerechnet. Kanonen führte er 70 mit sich.Die weitere Darstellung der Kriegsereignisse wird erweisen, dass das polnische Heerweit über 9 000 Mann stark gewesen sein musste.