4. Kriege der kleinrussischen und SaporogerKasaken. Iß3
§.24.Krieg im Jahre 1659.
Der Anfang des Jahres 1649 war eine Zeit des Triumphes Chmj el-nizki's als Sieger in Kiew, wohin er gegangen war, um Gott für dieerrungenen Siege zu danken. Die Einwohner von Kiew empfingen ihnmit Jubel als den Befreier der Ukraine, der Fürst von Transsylvanien,die Hospodare der Moldau und Walachei, viele tatarische Herrscher,sogar der türkische Sultan Muhammed IV Hessen ihm durch GesandteGlückwünsche und Geschenke überbringen, die Erstgenannten baten ihnum Hülfe gegen ihre Feinde, und der Sultan bot ihm seinen Schutz an,zugleich ihm die erbliche Hetmanwürde in der Ukraine versprechend.Chmjelnizki erwiderte dem Sultan, dass er nicht den Frieden,Freundschaft und Bündniss mit ihm verweigere, sich aber nicht unterseinen Schutz stellen könne, ohne darüber vorher mit dem Volke be-rathen und die allgemeine Zustimmung erlangt zu haben, und indem erihm dies zu thun versicherte, schloss er einen für die Ukraine vorteil-haften Vertrag mit ihm ab. Aber er beabsichtigte gar nicht, das Volkzur Annahme des Schutzes vom Sultan zu bewegen, hatte vielmehr einganz anderes Ziel vor Augen, nämlich sich unter den Schutz von AlexeiMichailowitsch zu stellen. Der Letztere jedoch entgegnete, dasser, auf den Poljanower Vertrag mit Polen gestützt, das kleinrussischeVolk und Heer nur dann unter seinen Schutz nehmen könne, wenn derKönig von Polen sie für unabhängig erkläre.
Endlich wurden auch von Seiten Johann Kasimir's demChmjelnizki grosse Ehren erwiesen: im Februar überreichten pol-nische Deputationen ihm zu Perejaslawl im Namen des Königs die Het-manskleinodien: einen mit Sapphiren besetzten Feldherrnstab (Hetmans-keule, Bulawa), eine rothe Fahne mit dem weissen Adler und demNamenszug des Königs und die Ernennungsurkunde zum Hetman.Obgleich die polnische Gesandtschaft bei dieser Gelegenheit mit Ehren *)empfangen wurde, erfuhr sie doch mehrfache Beleidigungen von denKasaken, welche von Chmjelnizki die Erneuerung der Kriegsope-rationen forderten; schliesslich wurde sie mit folgenden Hauptfriedens-vorschlägen C h mj e 1 n i z k i' s an den König entlassen: \ ) Wiederher-stellung aller alten Vorrechte der Kasaken, 2) Vertreibung der Jesuitenund Juden aus der Ukraine, 3) Erhöhung der Zahl der einregistrirten
*) Chmjelnizki empfing sie im Prachtgewande unter dem Donner der Ka-nonen, setzte ihnen in goldnen Bechern Branntwein vor, und seine mit Edelsteinengeschmückte Frau stopfte ihnen die Pfeifen. Anm d. Ueb.
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