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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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162 I. Kriege von 16131689.

hatten sich aber die Tataren bereits den Kasaken genähert, welche sichzweier polnischer Schlösser bemächtigt und hinter Sümpfen sich ver-schanzt hatten. Bald versetzte das Gerücht von der Anwesenheit desKhans selber mit einer grossen Truppenmacht die polnischen Anführerin Schrecken. Vergebens trat Sasslawski den Befehl an Wisch-newezki ab und beschloss endlich der Kriegsrath, um das Heer zuretten, den Rückzug nach Konstantinow. Dieser Rückzug wurde jedochnicht in Ordnung, sondern übereilt, fluchtartig ausgeführt; nur ein unge-heurer Wagentrain (an 100 000 Fahrzeuge), welcher am Platze zurückge-lassen wurde, konnte die Polen vor dem Verderben retten. Und da-bei war, nach der Angabe, das Polenheer vor Piljawa dreimal so starkals das Kasakenheer, der Krym-Khan war noch nicht mit Chmjel-nizki vereinigt, und der Letztere hatte bei sich nur 6000 Tataren.Wischnewezki, der Flucht des Heeres sich schämend, musste den-noch sogar von Konstantinow sich in der Richtung auf Lwow weiter zu-rückziehen.

Bald darauf aber stiess der Khan mit seinen Tataren zu Chmjel-n i z k i, und dieser machte , Kasakenabtheilungen zur Verwüstung derpolnischen Güter aussendend, sich mit dem Khan zur VerfolgungWischne wezki's auf. In Sbarash nahm er 50 Kanonen, und zuAnfang Oktober erschien er vor Lwow, das vor Kurzem erst von denpolnischen Führern verlassen war. Lwow, ziemlich stark befestigt, abermit schwacher Garnison besetzt und mit schlechten Vorräthen ausge-rüstet, wurde einige Tage lang durch den Commandanten tapfer ver-theidigt, welcher sich endlich durch Geld, Tuch und Lebensmittel-vorräthe loskaufte. Von Lwow gingen Chmjelnizki und der Khannach Samostje, ohne unterwegs auf Widerstand zu stossen, das festeSchloss Samostje aber, welches der Wojewode Weiher standhaft ver-theidigte, wurde mehrere Monate lang von ihm ohne Erfolg belagert.Wenn übrigens Chmjelnizki sich dieser Stadt zu bemächtigen ver-mocht hätte, in welcher der ganze polnische Adel sich befand, so würdeer sich so recht in der Mitte Polens festgesetzt haben. Aber der ver-gebliche Verlust an Zeit und Truppen, die starke Kälte und die ein-treffenden Gesandten des Königs Johann Kasimir mit Friedens-versprechungen bestimmten Chmj elnizki, die Belagerung von Samostjeaufzuheben und zur Ukraine zurückzukehren, entschlossen , den Gegnernicht allein durch die Waffen, sondern auch durch kluges Abwarten undVorsicht zu überwinden.