4. Kriege der kleinrussischen und SanorogerKasaken. 161
beenden und Kleinrussland Frieden und Ruhe wiederzugeben. C h m j e 1 -nizki, diesem Rathe folgend, blieb unthätig in Bjelaja Zerkow,schickte nur nach verschiedenen Seiten Kasakenabtheilungen zur Säu-berung der Stadt und der Ortschaften von den sie besetzt haltenden Polenaus und entliess die Tataren in die Krym, wobei er jedoch die freund-schaftlichen Beziehungen zum Khan weiter aufrecht erhielt. AberJeremias Wischnewezki erhob sich gegen die Kasaken undführte in Kleinrussland neues Blutvergiessen herbei. Chmjelnizkientsandte Kriwonoss gegen ihn, welcher einige Güter Wischne-wezki's verwüstete, sich Polonny's bemächtigte, bei Konstantinowvon Wischnewezki geschlagen wurde, danach aber Bar durch Listwegnahm, endlich jedoch, abermals von Wischnewezki vor Piljawabesiegt und gefangen genommen und qualvoll zu Tode gemartert wurde,wie es durch den blutdürstigen Wischnewezki allen in seine Händegefallenen Kasaken und Bewohnern der Städte und Flecken der Ukraineerging. Dies zu vergelten, machten bewaffnete Bauern unter Führungder Obersten Ostap und Gansha schonungslos Polen und Juden nie-der, plünderten und verheerten die Güter der polnischen Schljachta.Diese gegenseitigen Grausamkeiten wurden für einige Zeit durch Zusen-dung von Commissaren des Reichstages an Chmjelnizki unterbro-chen, welche Friedensunterhandlungen anknüpfen sollten, und um diesenmehr Nachdruck zu geben, stellte der Reichstag ein Heer gegenChmjelnizki auf, — nach Kochowski's Angabe nur 30 000 Mann,nach Rudawski's Versicherung wären es an Frontsoldaten allein200 000 Mann gewesen, — was durchaus unwahrscheinlich ist, weil esfür Polen unmöglich war. Die kleinrussischen Chronisten erzählen nur,dass unter den polnischen Führern 'und Adligen grosser Luxus, bei denGemeinen, welche keinen Sold erhalten hätten, Gewaltthaten und Plün-derung herrschten. Alle polnischen Gutsbesitzer der Ukraine stiessenmit ihren Hof bannern zum Heere. Zum Hauptanführer des Heeres wurdeder milde und unkriegerische Fürst Sasslawski, zu seinen Gefährtender junge unerfahrene Alexander Konjezpolski und der gleichfallsunkriegerische Nicolai Ostrorog ernannt, Alles zu dem Zwecke, umdem Blutvergiessen durch diese milden Führer Einhalt zu thun, bis zurWahl eines Nachfolgers für Wladislaw.
Aber Chmjelnizki, erzürnt über die hochmüthigen Bedingungendes Reichstages; griff von Neuem zu den Waffen und rief die Tatarenherbei. Wischnewezki wollte den in einem Lager bei Piljawa inPodolien (zwischen Chmjelnizki und Konstantinow) stehenden,Sasslawski veranlassen, Chmjelnizki noch vor seiner Vereini-gung mit den Tataren anzugreifen; K i s s e 1 dagegen rieth, zu zögern undmit Chmjelnizki in Friedensunterhandlungen zutreten. Inzwischen
Galitzin, Allgera. Kriegsgeschichte. I. Supplem. 11