Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
159
Einzelbild herunterladen
 

4. Kriege der kleinrussischen und SaporogerKasaken. 159

kommen sei. Solowjew und Kostomarow folgen den AngabenWj elitschko's. Kurzum in den Darstellungen der Schlacht beiSheltyja Wody und der kriegerischen Operationen vor, während undnach derselben herrschen grosse Widersprüche und in Folge dessen Un-klarheit und Unbestimmtheit*).

Chmjelnizki hatte während des Abzuges von StephanPotozki sowie während des Kampfes mitTugai-Bey und nachher,also 3 Tage lang (8. [18.], 9. [19.], 10. [20.] Mai), seinen Platz nichtverlassen, am 11. (21.) Mai brach er mit seiner ganzen Macht nachTscherkassk gegen den Hetman Potozki auf. Was that dieser Letzteredaselbst? Anstatt sofort möglichst schnell seinem Sohne zu Hülfe zueilen, war er unthätig stehen geblieben und hatte die Zeit, nach polni-schem Brauche, mit Schmausereien oder, wie die Kasaken es bei denPolen nannten, mit »Schlemmereien« verbracht. Als er endlich von demUnglück bei Sheltyja Wody erfuhr, marschirte er am 11. (21.) Mai nichtvorwärts, sondern zurück nach Korsuna, und verschanzte sich zwischendiesem Orte undSteblew, das nahe dabei in westlicher Eichtung lag. Hiervereinigte er sich mit Kalinowski und erwartete Unterstützung vonJeremias Wischnewezki, welcher aber schon jenseits des Dnjeprvor Perejaslawl lag. Die Tataren standen schon in Smjälo (südlichTscherkassk), die Bewohner der umliegenden Ortschaften strömten in demTabor Chmjelnizki's zusammen, welcher sich Tscherkassk näherte.Potozki hatte sich mit Kalinowski Uberworfen und blieb, da ernichts Besseres zu thun wusste, unthätig auf derselben Stelle; er sowohlwie seine Truppen waren sehr niedergeschlagen, was durch ein Gerüchtvon dem Tode des Königs Wladislaw (10. [20.] Mai) noch vermehrtwurde. Endlich, am 15. (20.) Mai, erschienen Chmjelnizki undTugai vor Potozki's Lager, auf welches die Tataren sich zuerststürzten; Potozki nahm aber den Kampf nicht an, und so beschränkte mansich beiderseits auf Geplänkel. Die von den Polen hierbei gefangengenommenen Kasaken und Tataren sagten aus, dass über 15 000 Kasaken,40 000 Tataren, und hinter diesen in der Steppe der Khan selbst mit derganzen Horde stünden (nach Kostoma row hätte dies ein Kasak ausge-sagt, welcher von Chmjelnizki darauf genau instruirt war).Kalinowski Hess sich dadurch nicht beunruhigen, sondern rieth, ausden Schanzen vorzubrechen und mit allen Kräften anzugreifen. Po tozkiaber, angesteckt von der Angst einiger vornehmer von Schreck ergriffenerPolen, befahl sich rückwärts zu concentriren. Am andern Tage, 16.(26.)Mai, brach das ganze Heer nach Boguslawa (nördlich von Korsuna) auf.Chmjelnizki folgte und wendete dieselbe List wie bei Sheltyja Wody

*) Pawlischtsehew: »Die polnische Anarchie« (Manuskript).