152 I. Kriege von 1613—1689.
ausser dem Gesetz, und die Polen bemächtigten sich ganz Klein-russlands zu beiden Seiten des Dnjepr, das sie als erobertes Land voll-kommen verheerten.
§.22.
Kriege von Stephan Ostrjaniza bis zu Bogdan Chmjelnizki(1638—1647).
Die wilde Grausamkeit der Polen brachte nur das Heer und Volk inKleinrussland noch mehr auf: im Jahre 1638 erwählten sie den erfahre-nen, verständigen und milden Oberst Stephan Ostrjaniza zumHetman.Trotz der unaufhörlichen Angriffe Potozki's auf die Städte und DörferKleinrusslands und die darin oder in deren Nähe befindlichen Kasakencorps,Angriffe, welche die furchtbarsten Gewaltthaten, Plünderungen, Mord undVerwüstungen im Gefolge hatten, gelang es dennoch dem Ostrjaniza,wenn auch mit Mühe, die in ganz Kleinrussland zerstreuten Truppennach Perejaslawl zusammenzuziehen. Zuvörderst reinigte er alle Städteauf beiden Seiten des Dnjepr von den Polen und stellte Verbindungenzwischen den Truppen und Einwohnern beider Ufer her. Dies benutzend,begann er die polnischen Corps anzugreifen; Dank der Nachlässigkeitund Sorglosigkeit der Polen, welche der Meinung waren, dass die Kasa-ken nicht mehr ihnen die Stirn bieten würden, schlug er sie überall ineinzelnen Abtheilungen, machte sie müde, und nahm ihnen Geschütze,Waffen, Kriegs- und Proviantvorräthe weg. Durch diese Mittel undQuellen gekräftigt, durch zu ihm stossendeneue Kasakenschaaren verstärkt,suchte Ostrjaniza kühn die Hauptkräfte Potozki's auf, fand sie ineinem verschanzten Lager am Staritzaflusse und griff sie sofort an. Esentspann sich ein äusserst erbitterter Kampf, denn beide Theile fochten mitgrösster Verzweiflung, — die Kasaken, um zu siegen und Rache zu nehmen,die Polen, weil sie sich durchschlagen und vor dem unabwendbaren Unter-gang bewahren wollten. Die Kasaken erfochten aber einen vollen und ent-scheidenden Sieg, die Polen wurden gänzlich geschlagen. Nur Potozkimit einer kleinen Anzahl seiner besten Reiterei rettete sich, indem erdurch den Fluss schwamm, alle Anderen kamen unter den Streichen derwüthenden Kasaken um oder ertranken in dem Flusse. Das ganze pol-nische Lager mit Allem, was darin, wurde Beute der Kasaken, welchenach dem Kampfe 4 727 der Ihrigen und 11317 polnische Gebliebenebeerdigten, — woraus man schliessen kann, wie wüthend dieser Kampfgewesen war!
Dann setzte Ostrjaniza, ohne Zeit zu verlieren, dem Potozkinach und holte ihn in dem Weiler Polonno ein (heute Gouvernement V o 1 -hynien), in welchen dieser sich in Erwartung von Hülfe aus Polen geworfen