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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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3. Kriege und Feldzüge. 145

reizt, sogar mehr als einen blossen Einfall, einen wirklichen Angriff aufdie russische Ukraine, und zwangen, indem sie dieselbe verwüsteten,wie schon oben erwähnt, eine Menge Erb- und Lehnsgutsbesitzer, welchein Seh ein's Heere standen, mit ihren Leuten von da fort und nachHause zu gehen, was dann Schein's Heer erheblich schwächte und eineder Ursachen seines Missgeschicks vor Smolensk wurde.

Ein weit besseres Mittel zur Bändigung der Krymtataren war dieVerwendung der Donkasaken gegen sie. Oben (zweites Kapitel §.10)wurde schon geschildert, in welcher Weise und mit welchem Erfolge undNutzen diese Kasaken gegen die Tataren zu Werke gingen, wie sie dannAsow wegnahmen, das sie demnächst 5 Jahre im Besitz behielten undgegen die belagernden Türken und Tataren behaupteten, sowie was sieweiter thaten, bis sie dem Zaren im Jahre 1641 antrugen, Asow unter seineHerrschaft zu bringen. Der Zar aber schwankte, ob er dies annehmen unddadurch die Krymtataren von Kussland abhalten sollte, weil er fürchtete,darüber mit der Türkei in einen Krieg verwickelt zu werden, mit welcherer in Frieden leben wollte. Und obgleich der Landtag in Moskau derMeinung war, dass Asow übernommen und den Kasaken Hülfe zuge-schickt werden solle, so weigerte sich doch der Zar, welcher bereitsin den Kriegen mit Schweden und Polen einige Unfälle erlitten hatte,Asow anzunehmen, befahl den Kasaken dasselbe zu verlassen, und warnun nicht mehr im Stande, die Krymtataren zu bändigen, obschon er mitder Türkei in Frieden blieb.

Gleichsam zur Entschädigung für die Unfälle im europäischen Russ-land erweiterte MichaelFeodorowitschdie Grenzen des Reiches erheb-lich nach Osten, in Sibirien, von welchem während seiner Regierung eingrosser Theil unterworfen wurde. Die rasche und dauernde Ausbreitungder russischen Macht in West-Sibirien von 15831606 gerieth während derunruhigen Zeit in's Stocken, so dass die sibirischen Kasaken, da sie aus Russ-land keine Hülfe erhielten, sich nur mit Mühe gegen die eingeborenen VölkerSibiriens halten konnten, welche sie von allen Seiten immer enger bedräng-ten. Michael Feodorowitsch aber gelang es, nach seiner Thron-besteigung die sibirischen Stämme zu beruhigen, er befestigte die vonGodunow gegründeten Städte, bevölkerte sie mit Russen, schickteTruppen, Waffen, Kriegsvorräthe, gründete viele Vorstädte, brachte Ord-nung in die Regierung der Eingebornen, theilte sie in Amtsbezirke, be-stimmte gewisse Abgaben in weichem Pelzwerk, erbaute Kirchen in allenStädten und viele Klöster, kurz, er machte Sibirien zu einer russischenProvinz und setzte für die Verwaltung derselben in Moskau das sibirische

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I. Supplera. 10