144 I. Kriege von 1613—1689.
der ersten Versuche zur Einführung der Ordnung West-Europa's indieselben.
§• 19.
Krieg mit den Krymtataren (1632 — und sogar 1622 — 1641). —
Eroberungen in Sibirien.
Zu den Misserfolgen Eussland's in den Kriegen gegen Schweden undPolen kamen noch andere in den Kämpfen gegen die beständigen, wil-den, räuberischen und tückischen Feinde — die Tataren.
Nachdem bei der Versammlung in Moskau am 12. Oktober 1621 derBeschluss gefasst worden, sich zum Kriege mit Polen zu rüsten, und dieAnstalten dazu getroffen wurden, trat im März 1622 in den Vorbereitun-gen zum Kriege ein Stillstand ein, weil das Unternehmen des SultansOsman II gegen Polen misslang und der nach Constantinopel zurück-kehrende Osman durch die Janitscharen abgesetzt wurde; mit Schwe-den wurde ein Waffenstillstand vereinbart, ohne Bundesgenossen konntedie Moskauer Regierung sich zum Kriege gegen Polen nicht entschliessen.Ihre Mittel waren so schwach, dass im Mai und Juni des Jahres 1622krymscke Tatarenbanden unaufhörlich die Bezirke Jepifan, Dankow,Odojew, Bjälew, Djädilow plünderten und verheerten, während die Wo-jewoden in denselben sich in die Städte unthätig festsetzten, oderwenn sie gegen die Tataren ausrückten, doch nachlässig und ohne Energieoperirten, die Tataren nirgends erreichten und das Land nicht von denselben säuberten. Und diese häufigen Einfälle der Krymtataren wieder-holten sich auch später, und blieben meistens unbestraft. Um diese wil-den Räuber zu besänftigen, schickte der Zar ihnen jährlich Geschenkeund bemühte sich besonders um die Freundschaft des türkischen Sultans,damit er die Tataren von Einfällen in russisches Gebiet abhielte. Daaber weder dieses noch jeneMittel zum Ziele führten und die Tataren oft,nachdem sie die Geschenke in Empfang genommen hatten, dennoch die rus-rische Ukraine plünderten und verheerten, so griff die moskowiter Regie-rung zu einem andern Schutzmittel, nämlich zu defensiven Verschanzungs-linien, die eine von den Quellen des Chopra Flusses über den Zna- undSosna-Fluss zur Oka, die andere von "Woronesh an Bjelgorod vorbeizum Worskla-Flusse (die Art der Anlage und Befestigung dieser Linienwurde im ersten Kapitel §. 7 bereits dargestellt). Seitdem beunruhigtendie Tataren wenigstens Moskau selbst nicht mehr, aber während dieseLinien noch gebaut wurden, fuhren die Tataren immer noch mit ihrenEinfällen fort, und in den Jahren 1632—1633, zu der Zeit der Belagerungvon Smolensk durch Schein, machten sie, von Wladislaw aufge-