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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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3. Kriege und Feldzüge. 143

Nach Seh ein's Abzug aus dem Lager vor Smolensk wandte sichW lad isla w gegen Bjela. in der Hoffnung, dass er diese Stadt leichteinuehmen werde. Aber sein Heer kam dort unter grossen durch Kälteund Hunger verursachten Entbehrungen an; der russische Wojewode,welcher in Bjela commandirte, erwiderte auf die Aufforderung, nachSchein's Beispiel die Stadt zu übergeben, dass dieses Beispiel ihmnicht Furcht, sondern Muth einflösse; die Einschliessung der Stadt durchSchanzen, die Führung von Pulverminen unter die Mauern und die Be-schiessung derselben erzielten nicht allein keinen Erfolg, sondern ver-ursachten den Belagerern vielen Schaden und grosse Verluste. DieBelagerten machten sich die Nachlässigkeit der Gegner zu Nutze, thateneinen Ausfall gegen Weih er's Regiment und hatten schon 8 Fahnenweggenommen, ehe nur die Polen zu den Waffen greifen konnten.Ausserdem brachen in Folge der Kälte und des Mangels heftige Erkran-kungen aus und viele Todesfälle traten ein, und das Heer begann starkzu murren, theils dieserhalb, theils weil der Sold nicht ausbezahltwurde; unterdessen trafen aus Polen schlimme Nachrichten ein, dasTürkenheer nähere sich den Grenzen des Königreichs, der Waffenstill-stand mit Schweden seinem Ende. Das Alles bewog Wladislaw,baldigst Frieden zu schliessen, welcher für Lithauen die ErwerbungenSigismund's befestigt haben würde, und so machte er zuerst Frie-densvorschläge. Sie wurden um so lieber angenommen, als nachSchein's Unglück vor Smolensk es schwer oder unmöglich war, neueStreitkräfte und das dazu erforderliche Geld aufzutreiben, als Philaret,der weise Berather und Mitregent Michael's, nicht mehr lebte, Moskauvon einer furchtbaren Feuersbrunst verheert worden war und unter allenUmständen wieder aufgebaut werden musste. Aus allen diesen Ursachenwurde von beiden Seiten nach den üblichen Zänkereien am 4. (14.) Juni1634 am Flusse Poljanowska unweitWjasma ein Frieden, grösstentheilsauf Grundlage des Dewulinaschen Vertrages abgeschlossen.

Damit endete der zweite und letzte Krieg unter Michael Feodo-rowitsch zwischen Polen und Russland,ein Krieg, welcher, wieder erste, für Russland unglücklich gewesen war in Folge der un-geschickten Führung desselben, vieler ungünstigen Umstände (oben an-geführt) und der wiederum beider nicht zum letzten Male) erwiesenen Un-zulänglichkeit der russischen Kriegsorganisation und Truppen, trotz

gegen Lithauen kämpfen wolle ; den habe er nicht gehalten, ausserdem aber durchHochmuth, Nachlässigkeit, Bosheit gegen die Fremden, Beleidigung der BatnyeLjudi, die Grobheit seiner Briefe nach Moskau u. s. w. Alle in Moskau und imHeere so gegen sich aufgebracht, dass er endlich der grossen Zahl seiner Feindeallein gegenüber gestanden habe, welche ihn dann gestürzt hätten.