142 I- Kriege von 1613—1689.
Bjeloselski wurden nach Sibirien geschickt, ihre Güter vom Staateeingezogen. Bestraft wurden auch 2 Söhne von Schein undIsmailow, sowie andere Befehlshaber, welche mehr oder wenigerschuldig befunden wurden.
Es lag aber bei Schein und seinen Leidensgefährten gar kein Ver-rath vor, sondern Alles erklärt sich daraus, dass: 1) schon lange diegänzliche Unzulänglichkeit der russischen Heere in eleu Kriegen gegenPolen und Schweden klar hervorgetreten war; 2) wenn die russischeRegierung, dies einsehend, auch fremde Kriegsleute zum Einüben derrussischen Truppen im fremden Dienstbetriebe herangezogen hatte, sogenügten doch diese schwachen und flüchtigen Versuche noch nicht, umordentliche Früchte zu bringen; 3) nachdem Geld und Heer beschafftwar und die Fremden gemiethet, schickte man gegen Smolensk einenWojewoden, welcher zwar durch die Vertheidigung dieser Stadt berühmtgeworden, aber doch nicht im Stande war, sie in 13 Monaten durch Be-lagerung oder Einschliessung zu nehmen, welcher es vielmehr sogar zu-liess, dass er umgangen, abgeschnitten und selber belagert wurde, undzwar nicht in einer stark befestigten, von Truppen und Bürgern vertkei-digten Stadt, sondern in einem für die Vertheidigung weit ungünstigerenund schwächer befestigten Lager, das einem kräftigen Geschützfeuervon den Polen auf dem Skawronskischen Berge ausgesetzt war, und inwelchem die Fremden frech gegen die Disziplin verstiessen, nicht aufSchein hörten, nicht Frost und Hunger ertragen wollten, und nach Aus-gleich mit dem Feinde verlangten; 4) endlich kam durch Hunger, Kälte,Krankheiten, Sterblichkeit, Desertion der Ratnye Ljudi und das Nicht-erscheinen der aus Moskau versprochenen Verstärkungen Schein ineine verhängnissvolle Lage, aus welcher er nur durch Kapitulation ent-rinnen konnte, und hierbei musste er zwar im Ganzen 146 Geschütze(von den 158, welche er zu Anfang des Feldzuges hatte, nahm er nur12 mit sich), Gewehre und Vorräthe ausliefern, war aber doch nicht inGefangenschaft gerathen, sondern hatte mit 12 Geschützen, Fahnen undden Waffen der Ratnye Ljudi freien Abzug bewilligt erhalten. Aber erwurde des Verrathes beschuldigt und darum hingerichtet, weil mächtigeMänner in Moskau, welche sich durch die ihm erwiesene Ehre tödtlichverletzt wähnten, aus Rache sein Unglück und den Umstand sichzu Nutze machten, dass sein Beschützer Philaret nicht mehr unterden Lebenden weilte. So ging Schein nicht um seines Verrathes wil-len, sondern durch den tödtlichen Hass und die Rache der Bojarenzu Grunde *).
*) Solowjew giebt eine andere Erklärung: dass Sehein, aus der polni-schen Gefangenschaft entlassen, dem Könige einen Eid geleistet habe, dass er nicht