3. Kriege und Feldzüge. 139
Nach polnischen Angaben hätten die Russen 2000 Todte verloren, diePolen keinen Todten, aber sehr viele Verwundete gehabt und auch vielePferde verloren. Immerhin aber waren für Schein die Resultate desKampfes sehr ungünstig, ebenso die Stellung Wladislaw's in seinemRücken an der Moskauer Strasse, die Versperrung jedes Weges nachMoskau und die Verbrennung der Vorräthe in Dorogobusch. Kurzum —durch die geschickte Bewegung Wladislaw's auf die VerbindungenSchein's mit Moskau — eine Bewegung, welcher Schein, da er stär-ker war, sofort hätte entgegentreten müssen — war der russische Woje-wode aus dem Belagerer zum Belagerten geworden und befand sich nunin einer sehr schwierigen und gefährlichen Lage zwischen Wladislawund Wojewodski. Ende Oktober fing sein Heer schon an, Mangel anUnterhalt von Menschen und besonders Pferden zu leiden (von welch'letzteren, der damaligen Zusammensetzung der russischen Corps nach,sehr viele vorhanden waren). Das Geschützfeuer zwischen den LagernSchein's und Wladislaw's hatte für den Ersteren auch viele Nach-theile, dagegen für den Letzteren Vortheile: die Polen feuerten vomSkawronskischen Berge herab in die Tiefe, die Russen von unten nachoben, ohne dem Feinde Schaden zuzufügen; als sie jedoch den Ricochett-schuss anwendeten, da gingen ihre Geschosse bis zu Wladislaw'sZelten. Schein berief einen Kriegsrath und legte ihm die Frage vor:kann man das Lager des Königs angreifen, und von welcher Seite? DerOberst Lesli, der vornehmste unter den Fremden, rieth zum Angriff,der englische Oberst Sande rson war dagegen; es entstand ein Streit,in welchem Lesli den Engländer einen Verräther nannte, Scheinvermochte kaum sie auseinander zu bringen. Lesli's Meinung wurdeangenommen; am 2. December aber schickten die von der Kälte leiden-den Russen in den Wald nach Holz, die Polen überfielen die Abgesende-ten, von denen 500 auf dem Platze blieben. Lesli beredete Schein,selbst nach dem Walde zu reiten und sich zu überzeugen, wie viele derRussen umgekommen seien. Mit Schein ritten Lesli sowohl wieSande rson: der Erstere beschuldigte den Letzteren, dass er dem Kö-nige zu wissen gegeben habe, dass die Russen den Wald betreten wür-den: Sande rson antwortete, dass er »lüge«, worauf ihn Lesli vorSchein's Augen mit der Pistole niederschoss. So kam zu all demMisslichen in Schein's Lage noch der verderbliche Streit zwischen denBefehlshabern der fremden Truppen. Und nun nahm in Folge vonHunger und Kälte die Krankheit und Sterblichkeit im russischen Heereimmer mehr zu.
Wladislaw Schickte, als er dies erfuhr, zu Ende December anSchein und die fremden Führer ein Schreiben mit der Aufforderung,sich lieber seiner Gnade zu ergeben, als umsonst unterzugehen. Schein