3. Kriege und Feldzüge. 135
ordentlich. Sigismund hatte sich in die moldauischen Angelegenheitenund in den Krieg des siebenbürgischen Fürsten Bethlen Gabor gegenKaiser Ferdinand II gemischt und gegen sich auch den türkischenSultan 0sman II und Oesterreich aufgebracht. Sholkjewski wurdein der Schlacht von Zezora am Pruth gegen die Türken besiegt und ge-tödtet. Ein Jahr nachher schickte Osman ein Heer von 300000 tür-kischen und Krymkriegern unter Führung des Grossveziers HusseinnachChotin, um ganz Polen zu vernichten. Chodkjewicz starb inChotin. Gustav Adolph nahm Kiga und Mitau in Besitz und eroberteganz Livonien. Unter diesen Umständen blieb der russischen Regie-rung nur übrig, ungesäumt ein Heer auf Smolensk zu schicken undsich dieser Stadt zu bemächtigen, was nicht unmöglich schien. Lei-der verstrich die günstigste Zeit: Michael Feodorowitsch hieltes für eine Ehrenpflicht, den Krieg nicht ohne vorhergängige Ausein-andersetzungen mit Sigismund zu beginnen. Aber ehe die endlose Cor-respondenz mit dem polnischen Hofe um Genugthuung für Beleidigungenbeendigt war, hatte Wladislaw mit Hülfe Konaschewitsch'sChotin entsetzt, die Türken zum Rückzug gezwungen und den Sultanzum Frieden bewogen, ohne irgend welchen Verlust für Polen (1621), undGustav Adolph schloss (1629) einen Waffenstillstand ab. Die rus-sische Regierung blieb, nach vergeblichen Verhandlungen, allein, ohneBundesgenossen, bei ihren früheren Beschwerden stehen, und Sigis-mund antwortete mit neuen Beleidigungen. Da war Nichts zu machen,— der Krieg musste ohne Bundesgenossen unter weit ungünstigerenVerhältnissen geführt werden. Aber am 30. April 1632 starb Sigis-m und, und 6 Monate dauerte die unruhige Zwischenregierung, welchemit der Ernennung Wladislaw's zum polnischen Könige (8. November)unter Beilegung zweier Titel: »Moskowiter Zar und Schwedischer König«endete, — was den Keim zu den Kriegen mit Russland und mit Schwe-den in sich schloss.
Der Zar MichaelFeodorowitsch wollte, nachdem er vergebens 11Jahre verloren und die damals für einen Krieg mit Polen günstige Zeitvevpasst hatte, wenigstens von den Unruhen des polnischen InterregnumsNutzen ziehen und nicht die Frist des Waffenstillstandes mit Polen ab-warten zur Eröffnung des Krieges. Schon lange vorher traf er alleMaassregeln, um den Erfolg in diesem Kriege gegen Polen sicher zustellen, welcher langwierig und hartnäckig zu werden versprach. Indiesen 11 Jahren waren in England, Holland, Dänemark und SchwedenSoldtruppen mit fremden Obersten und Offizieren geworben, Regimenter»fremder Formation« errichtet, und die Ausbildung einiger russischerRegimenter begonnen worden. Ausser Landes wurden viele Handfeuer-waffen und Geschütze, Pulver u. s. w. angekauft. Alle Ratnye Ljudi