134 I. Kriege von 1613—1689.
Wäre aber er auf Seite der Russen, und Chodkjewicz auf derder Polen oberster Heerführer gewesen, vollkommen frei in ihren Hand-lungen, so würde, wie man annehmen kann, der Krieg anders geführtworden sein, einen andern Verlauf genommen und andere Resultate ge-habt, überhaupt aber weit grössere Bedeutung erlangt haben.
Noch weit merkwürdiger ist jedoch dies, dass bei aller Mangelhaf-tigkeit der Kriegführung auf beiden Seiten die Resultate sich doch weitgünstiger für Polen als für Russland stellten. Das Erstere, obgleichvom Moskowiter Thron abgedrängt, hatte doch erhebliche Gebietsver-grösserungen erlangt; das Letztere war durch den Verlust dieses Gebie-tes noch mehr geschwächt worden, obgleich es dafür den ihm durchausnöthigen Frieden eingetauscht und seine Selbständigkeit gewahrt hatte,allerdings für den hohen Preis dieser Abtretungen.
§.18.Zweiter Krieg mit Polen (1632—1634).
Nach dem Frieden mit Polen beschäftigte Michael Feodoro-witsch sich eifrig mit Wiederherstellung der Ordnung und des Wohl-standes im Staate und der früheren Beziehungen Russland's zu den an-dern Reichen: England, Dänemark, Deutschland, Oesterreich, Türkeiund Griechenland, mit der Absicht, gegenseitige Vortheile dadurch zuerlangen. Hierbei forderte die Sicherheit des Reiches die Rückgewin-nung von Smolensk und anderen Städten, welche Sigismund an sichgerissen und die ihm abgetreten waren.
Schon 3 Jahre nach dem Dewuliner Vertrage — im Jahre 1621 —erklärte der Zar der Landesversammlung, dass Sigismund diesenVertrag gebrochen habe, W1 a d i s 1 a w fortfahre, sich Moskowiter Zarzu nennen, die lithauischen Grenzverwaltungen sich russische Gebiete an-eigneten, polnische Würdenträger in Schreiben Vorwürfe an den russi-schen Hof richteten, der Schwedenkönig, der türkische Sultan und derKrym-Khan stürmisch nach Krieg gegen ihren gemeinsamen Feind Po-len verlangten und bereits die Feindseligkeiten eröffnet hätten, endlich,dass, wenn Sigismund schon jetzt nicht in Freundschaft mitRusslandverbleiben wolle, dies noch viel weniger der Fall sein werde, wenn ermit Schweden, Türkei und Krym in Frieden lebe, und dass man dieFreundschaft der Letzteren einbüssen könne, wenn man auf ihre Vor-schläge nicht eingehe. Der Landtag anwortete hierauf durch die ein-stimmige Erklärung seiner vollen Bereitwilligkeit zum Kampfe mitPolen.
Wirklich begünstigten die Umstände diesen Krieg ganz ausser-