3. Kriege und Feldzüge. 133
und wenn Wladislaw, wie es bei der Ueberlegenheit der russischenKräfte möglich war, geschlagen wurde, so musste er möglichst raschverfolgt und zum Frieden gezwungen werden, welcher für Russland gün-stiger ausfallen konnte, als dervonDewulina. Aber auch von diesem Allengeschah Nichts, vielmehr das Gegentheil: die Truppen wurden nichtzusammengezogen, sondern in Abtheilungen auf die Städte an dem Wege,welchen Wladislaw einschlug, zersplittert, welch'Letzterem kein wei-teres Hinderniss bereitet ward; aus Moskau und den anderen Städtensandte man Unterstützungen nur in kleinen Theilen, und das nicht zumKampfe im Felde, sondern nur zum Festsitzen und Aushalten inMoshaisk, Kaluga und den andern Städten, und um im Falle, dass durchBelagerungen Gefahr drohte, zurückzugehen nach Moskau, d. h. alsostatt den Krieg von dort und den Grenzen fern zu halten — ihn gradedahin zu lenken, und nach althergebrachter, sehr unvorteilhafter Ge-wohnheit aus den Kriegen gegen die Tataren — Moskau festzuhalten, denübrigen Staataber der Verheerung preiszugeben! Die Initiative im Kriegewurde freiwillig den Polen überlassen, und an Stelle einer entscheiden-den offensiven Defensive eine gänzlich passive gewählt, an dem Wegenach Moskau und in Moskau selbst! Und dabei war es noch ein Glück,dass Lykow und Tscherkasski in Moshaisk und Posharski inKaluga den Angriff Wladislaw's abhielten, wenn auch nur für einigeZeit und ohne seinen weiteren Marsch auf Moskau oder seine Vereinigungmit Konaschewitsch zu verhindern. Es war ferner ein Glück, dass,Dank dem Verrathen des feindlichen Planes, der Angriff auf Moskau abge-schlagen wurde, dass das Unternehmen gegen das Troizkikloster scheiterte,dass endlich Wladislaw wie Michael, des Friedens bedürftig, densel-ben abschlössen und dadurch den für beide Theile drückenden und verderb-lichen Krieg beendigten. Die unrichtige Führung des Krieges aufrussischer Seite zeigt nur, dass, wenn Michael Feodorowitschnoch jung und unerfahren im Kriege war, so auch in dem Kreise dermoskauer Bojaren, welcher die Kriegsoperationen leitete, Niemand sichbefand, der richtige und wahre Begriffe von Kriegführung gehabt hätte.In der That gab es einen Mann, welcher schon im Jahre 1611—1612 ge-zeigt hatte, dass er befähigt sei, den Krieg zu führen, wie es sein musste,und der würdig war, das russische Heer zu befehligen. Das war der un-erschrockene Fürst Dimitri Michailowitsch Posharski, derberühmte Befreier Russland's von den Polen im Jahre 1612. Da er abererst 4 Jahre zuvor zum Bojaren begnadigt (erhoben) worden und derjüngste in der Bojarenversammlung war, so hatte er, den Vorurtheilen derMjästnitschestwo gemäss, nicht das Recht, Oberführer des Heeres zu sein,sondern musste sich mit dem Festsitzen in Kaluga mit einem unbe-deutenden Truppencorps begnügen.