3. Kriege und Feldziige. 131
sollte; dass ferner Russland die Provinzen Smolensk, Tschernigow undSjäversk an Polen abtreten solle; dass endlich die russischen Gefangenen,darunter Philaret und Schein (Galitzin war schon unterwegs inGrodno gestorben) frei gelassen würden. Und nun zogen Wladislawund Konaschewitsch mit ihren Heeren aus Russland ab.
Wenn wir diesen Krieg überblicken und die gegenseitige Lage bei-der kriegführenden Parteien, ihre Beweggründe, Ziele, Kräfte, Mittel,Hülfsquellen, Kriegsoperationen und deren Resultate vergleichen, müssenwir zu dem Schlüsse gelangen, dass beide Theile diesen Krieg in sehrsonderbarer Weise führten.
Der einzig Schuldige an diesem Kriege war Sigismund, jenerböse Genius von Polen, Lithauen und Russland, der über Letzteresschon so viel Leid gebracht hatte in der Zeit der Unruhen; er hatte inseinem gewöhnlichen Leichtsinn und Eigensinn beschlossen, um jedenPreis seinen Sohn Wladislaw auf den Moskowiter Thron zusetzen,welcher doch schon von dem Erwählten des russischen Volks eingenom-men war, und den grossen Moskowiter Staat mit der polnischen Kronezu vereinen, ein im Hinblick auf den Zustand Polens und auf die Stimmungdes russischen Volkes ganz unverständiges Beginnen. Weder jener Zu-stand Polen's, noch diese Volksstimmung in Russland gab eine Hoffnungauf Erfolg: der polnische Reichstag hatte nicht dem Kriege zugestimmt,kein Geld dazu gegeben, Sigismund aber bestand darauf und erbatdie Bewilligung von Geldern vom Reichstage als eine Gnade. DerReichstag aber gab in so geringem Maasse, das Wladislaw zur Er-oberung des moskowiter Thrones kaum 11 000 Mann erhielt, und Chod-kj ewicz mit den Verstärkungen von Sholkiewski nicht mehr! Undwas für Truppen! — ganz unfähig zur Ausführung einer so wichti-gen und schwierigen Aufgabe, unbotmässig, meuterisch, unaufhörlichsich empörend und die Kriegsunternehmungen hemmend und störend.Die Leitung der Kriegsoperationen war Chodkjewicz übertragen,einem erfahrenen Feldherrn, der bereits früher in Russland nicht ohneGeschick Krieg geführt hatte, aber er hing vom Reichstage und dessenCommissarien ab , welche seine Absichten und Maassregeln durchkreuz-ten. In Folge dieser und vieler anderer ähnlicher Ursachen wurde derKrieg von Seiten Polen's durchaus nicht so geführt, wie es hätte seinsollen. Wenn es einmal beschlossen war, ihn zu dem oben bezeichnetenZweck zu führen, dann musste er wenigstens überlegt und gründlich sogeführt werden, dass der wahre Erfolg gesichert war, energisch, rasch,entscheidend, mit vereinten Kräften, imFrühjahr und Sommer, sodass derGegner nicht Kräfte sammeln konnte und zum Herbste schon das Ziel erreicht
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