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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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130 I- Kriege von 16131689.

Michael Kanai-Mursin. Und von Neuem begannen Unterhand-lungen : es wurde beschlossen, dassam 20. Oktober bei dem Flusse Prjäsnafünf russische und vier polnische Bevollmächtigte zusammentreten sollten.Sie waren drei Tage beisammen, stritten sich und konnten in keinerWeise zu einer Vereinbarung kommen. Aber schon trat Kälte ein. undWladislaw begab sich aus Tuschin auf der Perejaslawer Strasse zumTroizkikloster, das er zur Uebergabe aufforderte. Man antwortetedurch Kanonenschüsse gegen seine Truppen, er aber zog auf 12 Werstan das Dorf Rogatschew zurück, und zerstreute sein Heer zum Fouragiren(d.h. Plündern) in die halitscher, kostromer, jaroslawschen, poschechow-kischen und bjekoserskiscken Bezirke, in letzteren wurden die Polen jedochvom Fürsten Tjufjakin besiegt. Konaschewitsch zog direkt vonMoskau vor Kaluga und bemächtigte sich unterwegs der UmpfählungenvonSserpuchow, konnte aber dieCitadelle nicht einnehmen; ebenso ginges bei Kaluga.

Endlich, am 23. November, fand in dem Weiler Dewulina, 3 Werstvom Troizkikloster auf dem uglitscher Wege gelegen, die erste Zusam-menkunft von Bevollmächtigten behufs Anknüpfung von Friedensunter-handlungen statt. Der zarische Bevollmächtigte, Bojarin Scher eme-t j e f, erklärte, dass von Frieden nicht die Rede sein könne, solange die Polen Wladislaw als Moscowiter Zaren bezeichneten.Die polnischen Abgesandten behaupteten ihr Anrecht hierzu, woraufScheremetjef sich entfernte, nachdem er alle Unwahrheiten S i g i s -mund's aufgezählt hatte. Die Unterhandlungen wurden abgebrochen.Wladislaw aber nahm sie vonNeuem auf, willigte in die Verzichtleistungauf den Titel »Moskowiter Zar«, forderte aber, dass »alle Tschin's (Rang-klassen) des moskowiter Staates eine grosse Gesandtschaft nach Warschauschicken und ihn um Verzeihung für den Aufstand bitten sollten«, unddass ihm Pskow, Smolensk und die Sjäverskischen Städte überlassenwürden. Diese ungereimte Forderung wurde mit Entrüstung abgelehnt.Wladislaw zog sich zum Troizkikloster zurück, wo er überwinternwollte, um im Frühjahr dann den Krieg zu erneuern und endlich dasmoskauische Reich zu zerstören! Aber sein Heer wollte entschiedennicht ohne Sold dienen, und die Commissarien bestanden, auf Befehl desReichstages, darauf, dass Frieden geschlossen würde. Auch die russi-sche Regierung wünschte den Frieden, um Russland von den Verheerun-gen durch Lissowschtschik's und Saporoger zu befreien. Endlich wurdenach längeren Streitereien, am 1. December (alten Kalenders) 1618 zuDewulina ein Waffenstillstand auf 14 Jahre abgeschlossen und be-stimmt, dass: die Kriegsoperationen aufhören, Wladislaw dem Titel»Moskowiter Zar« entsagen, Michael Feodorowitsch aber ebensoauf den Anspruch auf Livonien , Tschernigow und Smolensk verzichten