3. Kriege und Felclzüge. ] 29
aus Borowsk sich dem Konaschewitsch entgegenzustellen. Po-shai'ski marschirte auf Sserpuchow, erkrankte aber heftig, weshalbsein Heer Halt machte. Nun befahl der Zar Posharski, nachMoskau zu reisen, seinem Gehülfen, dem Fürsten Wo Ikon ski aber,in Kolomna stehen zu bleiben und Konaschewitsch nicht über dieOka zu lassen. Wo Ikon ski war aber nicht im Stande, dies auszufüh-ren, und schloss sich in Kolomna ein. Hier brachen bei seinen TruppenZwistigkeiten zwischen Dworjanen und Kasaken aus, die letzteren zogenab in den Wladimirschen Bezirk, wo sie viele Orte verheerten. Am17. September stand Wladislaw in Swenigorod, Konaschewitschim Flecken Bronizzi, am 20. der Erstere in Tuschina, der Letztere beimDonschen Kloster, von wo er seine Fahrzeuge zur Vereinigung mitWladislaw vorauszuschicken begann. Die Bojaren hätten aus Moskaumit den Truppen behufs Verhinderung dieser Vereinigung ausrückensollen; aber ihre Soldaten waren von solcher Angst ergriffen, dass sieohne Kampf Konaschewitsch nach Tuschina Hessen, und er wurdewieder für Moskau zum Schrecken. Dazu kam noch die gewaltigeFurcht, welche ein Komet den abergläubischen Einwohnern vonMoskau einflösste. Inzwischen gingen die Unterhandlungen immerweiter: Wladislaw forderte Unterwerfung unter ihn, als Mosko-witer Zaren, und die Bojaren zogen die Angelegenheit in die Länge,indem sie auf die Kälte und den Hunger im feindlichen Lager rechneten.Der Feind aber wollte weder das Eine noch das Andere abwarten, son-dern schritt in der Nacht vom 1. Oktober zum Sturm. Die Belagertenwaren aus dem feindlichen Lager selbst (durch französische Ingenieure,welche den Angriffsplan mittheilten) hiervon benachrichtigt worden undzur Vertheidigung bereit. N o w o d w o r s k i (er war bei der Belagerungvon Smolensk 1609—1611 thätig gewesen) legte Bresche in die Aussen-festung und drang sogar bis zum Arbatschenthore vor, welches von demGrosswürdenträger Godunow vertheidigt wurde, hier aber erhielt erbeim Anbringen einer Petarde einenMusketenschuss in die Hand. Gleichhiernach machte Godunow einen Ausfall aus dem Thore und schlugsich mit den Polen bis zum Tagesanbruch, wo die Letzteren, welchenkeine Unterstützung wurde, sich zurückzogen, nachdem sie 30Todte undüber 100 Verwundete verloren hatten. Der Angriff auf das Tv^erscheThor war noch erfolgloser, weil die polnischen Leitern sich zu kurz er-wiesen. Mit einem Worte — der Sturm wurde abgeschlagen, und diePolen gaben Chodkjewicz die Schuld dieses Misslingens.
Inzwischen war der polnische Parteigänger Tschaplinski nachseinem Misserfolge vor dem Troizki-Sergiewschen Kloster von seinemBedienten am Flusse Wochnja ermordet worden. Aber auch auf russischerSeite war ein Parteigänger umgekommen, der getaufte tatarische Fürst
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I. Supplem. t)