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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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3. Kriege und Feldzüge. 125

in Wjasma und Umgegend zu vertheilen. Hier erlitt es aber auch Kälteund Hunger und alle Unannehmlichkeiten eines Krieges inmitten einerfeindlichen und erbitterten Bevölkerung, welche von Michael nichtabfallen wollte. Das Murren des Heeres und das Verlangen des Reichs-tages nach Beendigung des Krieges nöthigten Wladislaw zu Friedens-vorschlägen. In Moskau hingegen waren schon alle Maassregeln zurVertheidigung getroffen, aus allen Städten zogen die Truppen heraus,und die Regierung mochte nichts von Frieden hören, ehe nicht der Feinddie russischen Grenzen verlassen hätte.

Inzwischen hatten die »Lissowschtschiks« unter Tschaplinski'sBefehl ihre Arbeit gethan, unaufhörlich geplündert und das Land ver-wüstet, Meschtschowsk und Koselsk eingenommen, konnten sich aberKaluga's nicht bemächtigen, weil dorthin auf Bitten der Einwohner Di-mitri Michailow Posharski*) gesendet worden war, welcher imGanzen allerdings nur5400Mann unter sich hatte. Tschaplinski nahmbei Towarkow, einen Tagemarsch vonKaluga, Stellung und beunruhigteihn unablässig. Aber auch Posharski blieb nichtunthätig, und Beideoperirten mit wechselndem Erfolge, bis es Posharski gelang, in die Ver-schanzungen Tschaplinski's bei Towarkow einzudringen und daselbstsämmtliche Vorräthe zu vernichten. Der andere Posharski, der FürstDimitri Petrowitsch, wurde entsendet, Twer zu schützen; auf demWege dahin, in Klina, belagerte ihn der Pole Sokolowski; Posharskihielt aber diese Belagerung mit Erfolg aus und erreichte Twer mitden bestimmten Vorräthen. Auch hier wurde er von Sokolowskibelagert, hielt sich aber auch diesmal mit Glück. Nach Sokolowskirückte der polnische Oberst Kopytschewski vor Twer, blieb zweiWochen hier liegen, konnte aber nichts ausrichten. Auch Bjelaja ergabsich nicht, ebenso misslang der Versuch Wladislaw's, sich Moshaisk'szu bemächtigen; die in dieser Stadt sich befindenden Wojewoden Bu-turlin und Leontjew bekamen Nachricht von Wladislaw's Bewe-gung und waren ihm entgegenzutreten gerüstet, und Letzterer, welcherdies erfuhr und zugleich hörte, dass die Stadt stark befestigt sei, sowiedass von Moskau ein starkes Corps (circa 6000 Mann) unter den FürstenLykow und Waluj ew ihr zu Hülfe kamen, mochte die Stadt wedererstürmen, noch im Winter belagern (im DeCTimber) und kehrte also nachWjasma zurück, wobei durch die Kälte er noch viel Mannschaft, nament-lich Deutsche, einbüsste. Zugleich mit der Entsendung Lykow's undWalujew's nach Moshaisk wurde Wolok-Damski durch die Fürsten

*) Er hätte Oberbefehlshaber aller Truppen heissen sollen, die unglücklicheMjästnitschestwo aber verhinderte dies: er war erst bei der Krönung des MichaelFeodorowitsch zum Bojaren begnadigt (erhoben) worden, und folglich einer derjüngsten unter diesen.