124 I. Kriege von 1613—1689.
darauf nach Dorogobusch gerückt, aber auf's Haupt geschlagen sei und240 Mann verloren habe. Nun erhielt Ssuleschow den Befehl, inDorogobusch, Wjasma und Moshaisk Wojewoden und Truppen mit Le-bensmitteln in genügenden Maasse, um Belagerungen aushalten zu kön-nen, zurückzulassen, selbst aber nach Moskau zu gehen. Die nachDorogobusch geschickten Fürsten Pronski und Koltowski konn-ten nicht in diese Stadt gelangen, weil sie schon von Chodkjewiczbelagert wurde, sie erhielten nunmehr den Befehl, in Wjasma zu bleibenund von dort Dorogobusch zu unterstützen. Im Juli erfuhr man zu Mos-kau, dass lithauische Truppen schon in dem Rschewer District in Ka-schin, Bjäshezki Werch und Uglitsch erschienen seien, und auf Stariza,Torshek, Ustjushna in das Gebiet von Wologod und Bjelosersk marschir-ten. Nach all diesen Punkten mussten russische Truppen gesendet wer-den, und bei alledem hörte man schon, dass Wladislaw selbst miteinem Heere gegen Moskau rücke.
Schon die ersten Nachrichten von Angriffsoperationen der lithauischenTruppen seit dem März 1617 (d. h. also 2 Monate nach dem Friedens-schluss mit Schweden) hatten in Moskau wie in den westrussischen CorpsUnruhe und Besorgniss erzeugt. Als aber Wladislaw zu Ende Sep-tember 1617 sich mit Chodkjewicz vor Dorogobusch vereinigte, daergriff die russischen Wojewoden Schrecken, und Adadurow, als derErste, übergab Dorogobusch an Wladislaw als an den moskowiterZaren! Auf diese Nachricht flohen Pronski und der Fürst Bjeloselskischimpflich aus Wjasma nach Moskau; Fürst Gagarin, welcher sichin der kleinen (inneren) Festung (Citadelle) von Wjasma befand, wolltesich darin halten, als er aber sah, dass Strelitzen und Einwohner flohen,musste er ihnen wider Willen folgen. Die Kasaken aber freuten sich,dass ihre Zeit wieder gekommen sei, und machten sich ans Plündern.
Ende October zog Wladislaw im Triumphe als Moskowiter Zarin Wjasm.a ein und schickte den Verräther Adadurow mit seiner zari-schen Urkunde zu den Bojaren und andern Moskauer Leuten, um sie auf-zuwiegeln und auf seine Seite zu bringen. Kurzum, — es schien, alswenn die traurigen Zustände der unruhigen Zeit, Frechheit, Zügellosig-keit, Kasakenthum wiederkehren sollten.
Zum Glück für Kussland waren Moskau und seine Leute längstnicht mehr dieselben wie vor 10 Jahren: Adadurow wurde ergriffenund verbannt, ebenso Pronski und Bjeloselski, die UrkundeWladislaw's aber erregte nur Unwillen. Die Polen aber waren die-selben geblieben wie zuvor: der erste Erfolg von Wladislaw's Offen-sive wurde plötzlich durch einen Aufstand in seinem Heere unterbrochen,welches, so lange es keinen Sold erhielt, nicht Hunger und Kälte er-tragen wollte. — und so war Wladislaw gezwungen, es in Quartiere