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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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122 I. Kriege von 16131GS9.

schlage der polnischen Gesandten und forderten entschieden die Rück-gabe von Smolensk, die Zurückziehung aller polnischen Truppen ausRussland, Zahlung von 1 Million Rubel Kriegskosten und die Anerken-nung des Michael Feodorowitsch als russischen Zaren. Die pol-nischen Bevollmächtigten dagegen und die Unterhändler des Mathiasschlugen das nach ihrer Meinung einzige Mittel zum Frieden vor,die Erhebung Wladislaw's auf den moskowiter Thron. NatürlicherWeise konnten beide Theile sich nicht einigen, und endlich beschloss derwarschauer Reichstag, auf Sigismund's dringende Bitten, noch vorAbschluss des Stolbower Friedens, ein Heer nach Russland zu schicken,um Wladislaw mit Gewalt auf den moskauer Thron zu setzen. DerOberbefehl über das polnische Kronsheer wurde Wladislaw selber über-tragen, unter der Leitung des lithauerHetmans Chodkjewicz hinsichtlichaller Kriegsangelegenheiten, und unter der Aufsicht undLeitung von achtbesonderen Commissarien, welche der misstrauische Reichstag bestimmthatte. Diese Commissarien sollten darauf sehen, dass Wladislawsich nicht dem Abschlüsse eines günstigen Friedens mit Moskau wider-setze , weil der Krieg unternommen war »zur Erforschung der Stimmungdes russischen Volkes gegen Wladislaw«; dass er vorzugsweise die In-teressen von Polen im Auge behalte, nicht aber seine Sache den unsiche-ren Zufälligkeiten des Krieges aussetze; wenn ihm aber die Einnahmevon Moskau gelingen sollte, so musste diese Commission Acht geben,dass er seinen Vater und sein Vaterland nicht vergesse und durch einenEid die Bedingungen bekräftigte, welche er eigenhändig geschriebenhatte, nämlich: 1) das Moskowiter-Reich mit Polen durch einen unzer-reissbaren Bund zu verbinden; 2) zwischen ihnen freien Handel herzu-stellen ; 3) an Polen und Lithauen die von ihnen abgerissenen Provinzen,besonders das Fürstenthum Smolensk und im Norden Brjansk, Starodub,Tschernigow, Potschep, Nowgorod-Sjäverski, Putiwl, Kylsk und Kursk,und auch Nevel, Ssebesh und Welish zurückzugeben, und 4) auf dieRechte an Livonien und Esthonien zu verzichten.

Die Truppen, welche mit Wladislaw ausrücken konnten, beliefensich im Ganzen auf nicht über 11000 Mann, trotz aller Bemühungen LeoSapieha's. Das ganze Jahr 1616 verging mit Zubereitungen zumKriege. Die donischen Kasaken sendeten den Ataman Jumin und denJessaul Gawrilow zu Wladislaw und Hessen ihm sagen, dass sie(d. h. einTheil, nicht das ganze Heer) ihm dienen wollten, worauf Wla-dislaw einging.

Im April 1617 brach Wladislaw aus Warschau nach Luzk, dembestimmten Sammelpunkte des Heeres auf. Da er aber einen Theil des-selben an Sholkjäwski abgeben musste, welcher sich anschickte, denTürken entgegenzutreten, so kehrte Wladislaw nach Warschau zurück,