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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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3. Kriege und Feldzüge. 121

den abgeschlossen wurde, in welchem das Erstere die Festungen Iwan-gorod, Jama (Janiburg), Koporje, Orjäscheck und Kexholm mit demIschorsker Lande (Ingrien oder Ingermanland) abtrat und ausserdem20 000 Rubel (66 666 Rubel heutigen Werthes) bezahlte; Schweden da-gegen Uberliess Russland alle übrigen russischen Städte. welche vonSchweden besetzt waren: Nowgorod, Staraja Russa, Ladoga. Porchowund Gdow, und Karl Philipp entsagte allen Ansprüchen auf den mos-kauischen Thron.

Trotz der erheblichen Opfer, welche der Stolbower Frieden Russlandauferlegte, namentlich durch den Verlust der so wichtigen Seestädte fürRussland's Beziehungen zu West-Europa, feierte Michael Feodoro-witsch doch diesen Friedensschluss wie einen Sieg, weil ihm eineCon-centration aller seiner Kräfte zur Abwehr des schlimmsten und unver-söhnlichsten Feindes von Russland, des Königs Sigismund III vonPolen, unerlässlich war.

§.17.Erster Krieg mit Polen (16171618).

Sigismund, welcher durch seine unkluge Politik seinen SohnWladislaw um den moskauer Thron gebracht hatte, hoffte diesenFehler wieder gut machen und das Verlorene noch einbringen zu können.Indessen konnte er vier Jahre lang zu keinem entscheidenden Kampfemit Michael Feodorowitsch kommen und gab ihm dadurch Zeit,sich mit den inneren Feinden Russlands auszugleichen und mit SchwedenFrieden zu schliessen.

Wirklich lagen aber auch die Dinge in Polen während dieser 4 Jahreso, dass Sigismund nicht an einen Krieg mit Russland denken konnte.Ganz Polen war in Aufruhr und Empörung: die Reichstage warfen dem Kö-nige unnütze Verschwendung und Ausgaben vor; die Truppen, welche andem moskauer Feldzuge Theil nahmen, forderten dringend die Auszahlungihres Soldes, die Schljachta wollte nicht nach Russland zu Felde ziehen,wenn sie nicht schon vorher ihr Geld bekäme, und Geld hatte der Königkeines. Es bildeten sich drei mächtige Conföderationen, welche sich derköniglichen Güter bemächtigten und den König dadurch aller Mittel zurKriegführung beraubten. Der König nahm nun zu Intriguen seine Zu-flucht und that den Vorschlag, mit Russland in Friedensunterhandlungeneinzutreten und die Sache dem Schiedsgerichte des römischen KaisersMathias zu unterwerfen, welchen er inzwischen auf seine Seite zu brin-gen suchte. Allein die russischen Bevollmächtigten verwarfen die Vor-