120 I. Kriege von 1613—1689.
tober am rechten Ufer der Welika hinab fort; im folgenden Jahre, 1616,erbaute er an der Mündung der Welika in den Pskower See auf der An-höhe ein starkes, mit Geschützen besetztes Fort, umPskow durch Hungerzur Uebergabe zu zwingen; die Pskowiten jedoch nahmen dieses Fortnebst allen seinen Geschützen und machten die darin befindlichen Schwe-den zum Theil nieder, zum Theil auch zu Gefangenen, und somit warPskow vor der Eroberung durch die Schweden gerettet*).
Aber die Aufhebung der Belagerung von Pskow und der Abzug derSchweden war nicht etwa durch Waffengewalt erzwungen, sondern hattevielmehr folgende Ursachen: 1) Gustav Adolph wollte, wie schongesagt, um in Deutschland seine Kriegsoperationen beginnen zu können,lieber mit Russland Frieden schliessen als Nowgorod und Pskow nebstderen Bezirken mit Schweden vereinigen; 2) durch die Vertreibung desFürsten Trubezkoi vor Nowgorod und die Belagerung von Pskowwünschte er die russische Regierung zum Abschluss eines für Schwedengünstigen Friedens mit Abtretung einiger Grenzstädte und -Gebiete zubewegen; 3) war Pskow zu stark befestigt (wie dies in der Beschreibungder Belagerung der Stadt durch Stephan Bathori im Jahre 1581 geschil-dert worden) und die Pskowiten vertheidigten sich darin weit hartnäckiger,als Gustav Adolph es erwartet hatte, sodass er, um seine ohnehin nichtsehr grossen Streitkräfte zu schonen, lieber die Belagerung nicht fort-setzen wollte, welche ihm schon genug Verluste an Mannschaft gebrachthatte ; und endlich 4) hauptsächlich dies, dass in Folge der Thätigkeitdes englischen Gesandten am moskowiter Hofe, John M e r i k, er denFriedensvorschlägen der russischen Regierung geneigt war, welche gleich-falls den Frieden sehr bedurfte und ersehnte. Deshalb kehrte GustavAdolph mit seinemBruder Carl Philipp nach Schweden zurück, nach-dem er de la Gar die zur Anknüpfung von Friedensunterhandlungen mitden Russen bevollmächtigt hatte. Diese Friedensverhandlungen setztensich unter Vermittlung von Merik vom 4. Januar 1616 bis zum 27. Februar1617 fort, wo endlich in dem zwischen Tichwin und Ladoga gelegenenDorfe S t o 1 b o w a der »ewige« Frieden zwischen Russland und Schwe-
*) Hiermuss ein Druckfehler im I. Bd. Allgem. Kriegsgeschichte der neuern Zeitin West-Europa berichtigt werden : In der Beilage muss es statt: »Pskow (Ples-kau) ergab sich« heissen »Pskow ergab sich nicht«. In den 700 Jahrenseines Bestehens hat Pskow 2Ü Belagerungen ausgehalten, sich nie ergeben, und istnur 1 Mal (12-10) durch Verrath eingenommen,von dem Derpter Bischof Herrmann,dem livonischen Ordensmeister Herrmann von Balk und dem mit ihnen verbün-deten dänischen Oberst; im März 1242 entriss der nowgoroder Fürst AlexanderJaroslawitsch es denselben wieder (der spätere Newski). Siehe III. Bd. Allgem.Kriegsgeschichte d. Mittelalters, 2. Abtheilung. Ost-Europa und Asien, 18. Kapitel§. 157.