3. Kriege und Feldziige. 119
demein grosses, mit Rasen belegtes Erdwerk anzulegen, wo GustavAdolph selbst sich aufhielt. Es waren im Ganzen über 10 solcherSchanzen, über die Welika wurden zwei Brücken geschlagen. In dieLaufgräben stellten dieSchweden 12 grosse Geschütze, andere Geschützejenseits der Welika bei dem Kloster Johannes des Täufers, dem Kremlgegenüber. Am dritten Tage (17. August) um 7 Uhr Morgens eröffnetensie aus diesen Geschützen von zwei Seiten das Feuer gegen die Stadt-mauern und den Warlaamowschen Thurm, das bis zum Abend fortge-setzt wurde und den Eckthurm halb, die Stadtmauern ganz niederlegte.Am vierten und fünften Tage (18. und 19. August) ging die Beschiessungder Stadt von denselben Punkten und mit denselben Geschützen weiter,700 Glüh- und eine ungeheure Menge anderer eiserner Kugeln wurdenin die Stadt geworfen, um diese und ihre Mauern undThürme zu beschä-digen, was auch in hohem Maasse gelang. Aber die Belagerten ver-teidigten sich tapfer und hartnäckig durch Geschützfeuer und Ausfälle.So kam der 9. Oktober heran, ohne dass die Schweden einen Vortheilerrungen hätten, und es brach nun bei ihnen, nach den »Nachrichtenc,solche Hungersnoth aus, dass Viele von ihnen nach Pskow desertirten.Am 9. Oktober unternahmen sie einen allgemeinen Sturm, sowohl aufdem rechten Welikaufer nach den unteren Gittern, als auf dem linkenvon dem Kloster des Johannes Baptista über den Fluss auf Schiffen undFlössen, während zugleich von beiden Seiten ein heftiges Geschützfeuerauf die Stadt gerichtet wurde. Die Belagerten leisteten jedoch von denMauern und Thürmen aus vom Morgen bis Abend mit allen Kräften undMitteln Widerstand, feuerten aus den Geschützen und Gewehren, warfenSteine, Balken u. s. w. von den Mauern herab. Um 2 Uhr Mittags ge-lang es jedoch den Schweden, die Stadtmauern und einen Eckthurm zuerklimmen, und sie Hessen bereits die Trompeten erklingen zum Zei-chen, dass die Stadt genommen sei. Die Belagerten aber hatten denThurm unterminirt und sprengten ihn mit den darauf befindlichen Schwe-den in die Luft, so dass viele derselben in den Fluss fielen; Andere, diesich auf den Flössen befanden, wurden versenkt, die Uebrigen zogen sichzu Lande auf dem rechten Ufer stromab. Die Belagerten verfolgten sieund wollten sich ihrer Geschütze bemächtigen, vermochten dies abernicht, weil diese zu fest verschanzt waren, sie kehrten daher nach Pskowzurück. Bald danach verbreitete sich das Gerücht, dass die Schwedeneinen neuen Sturm wagen wollten. Aber am Morgen des Tages, welcher,dem Gerüchte nach, zum Sturm bestimmt sein sollte, bemerkten diePskowiten zu ihrer unbeschreiblichen Freude, dass die Schweden all ihrGeschütz von der Stadt wegführten. Inzwischen hatte, nach den Wortender »Powjästi«, der Zar ein Heer zur Hülfe für Pskow entsendet, GustavAdolph aber, welcher dies erfahren hatte, zog von Pskow am 26. Ok-