2. Polen und Lithauen, Kasaken, Tataren, Türken. 109
und unbesoldeter, regelmässiger und unregelmässiger Truppen auf200 000 Mann getrieben; von den 162 Kammern (Orty) der Janitscharenwurden 30 000, von den. 60 OO') Zeugschmieden v Dsb.ebedshi) 1000 aus-gewählt, die Einkünfte wurden auf 8 000 000 Dukaten, die der Lehen auf6 000 000 berechnet. . . Welch ein zu verabscheuender Tyrann auch, undwie sehr er auch den Fluch der Menschheit verdient, so muss ihm dieGeschichte doch das Zeugniss ausstellen, dass er den unter schwachenHerrschern weich gewordenen Säbel des Hauses Osman von Neuem inBlut gestählt, die Hydra des Länderaufruhres in ihrem eigenen Blute er-stickt , die abgerissene Grenzfeste Bagdad, das Haus des Heils, in wel-chem, wenn nicht das Heil des Islam, doch das der östlichen osmanischenGrenze, dem Reiche wiedergegeben, die eingerissenen Missbräuche zumTheil abgestellt, die Verwaltungen der frommen Stiftungen und andererAemter den Sipahi entrissen, die Rollen der Janitscharen und der Lehens-träger von Eindringlingen gereinigt, . . . durch den stets über den Kopfder Statthalter und Steuereinnehmer gehängten Säbel den ihrigen zumTheil von den Nacken der Unterthanen abgehalten, und das durch seinerVorfahren Schwäche und Untüchtigkeit verminderte, durch M u r a d's IIIWeichlichkeit, Muhammed's III Schwäche, Achmed's I jugendlicheUnerfahrenheit, Osman'sII unbesonnenen Reformgeist, Mustapha'sBlödsinn verfallene, durch Bürgerkrieg und Thronumwälzung, Länder-aufstand und Truppenaufruhr in Stücke zerrissene osmanische Reichwieder in dem Medeakessel grausanier Strenge mit dem umrührendenSchwerte zu einem Ganzen blutig aufgekocht hat, so dass es sich nochdurch ein Paar Menschenalter, bis zur Epoche seines immer bergabgehenden Verfalles, nämlich bis zum Carlowitzer Frieden, ziemlich auf-recht erhielt*) (1699)«.
Nach Murad's IV im J. 1640 an den Folgen der Trunksucht ein-getretenem Tode verdankte sein Bruder und Nachfolger Ibrahim I,ein verweichlichter, lasterhafter, verschwenderischer und grausamerHerrscher, nur seinen erfahrenen Grossvezieren, dass die inneren undäusseren Angelegenheiten ziemlich gut verwaltet wurden. er hielt aberdie von MuradIV hergestellte Disziplin im Heere nicht aufrecht undwurde von den aufrührerischen Janitscharen 1648 ermordet. Ihm folgtesein 7jähriger Sohn Muhammed IV, während dessen Minderjährigkeitseine Grossmutter und Mutter die Regierung führten. Ihre gegenseitigenStreitigkeiten mit den einander feindlichen Religionssekten, fortwährendeAufstände in den Provinzen, Meutereien der Truppen und die Misserfolgeder türkischen Waffen zu Lande und zur See waren die Ursachen, dassdie ersten 8 Regierungsjahre Muhammed's IV (1648 —1656) abermals
*) v. Hammer, Gesch. d. osman. Reiches. V. Bd. 48. Buch.