HO i I. Kriege von 1613—16S9.
eine äusserst unruhige Zeit für die Türkei bildeten. Die Grossvezierewechselten unaufhörlich, weil keiner von ihnen sich kräftig genug fühlte,die schwere Last der Regierung unter solchen Umständen zu tragen.Endlich willigte, zum Glück für die Türkei, der sechste, der im J. 1656 zudieser Würde berufene 70jährige, begabte Muhammed Kjöprilidarein, sie unter besonderen Bedingungen der Machtvollkommenheit undSelbständigkeit zu übernehmen, und es gelang ihm in 5 Jahren, wennauch durch bis zur Grausamkeit strenge Maassregeln, die Erhebungen inden Provinzen und den aufrührerischen Geist im Heere zu dämpfen, dieDisziplin in demselben, wie das Ansehen der Regierung und die Machtder Türkei wieder herzustellen. Nach seinem Tode, 1661, war die Machtund Bedeutung seines Geschlechts bereits so befestigt, dass das Amt desGrossveziers erblich wurde und ungehindert auf seinen Sohn AchmedKj öprili überging. Da durch seinen Vater das Reich im Innern Ruhegewonnen hatte, so milderte der Sohn die Strenge der Regierung undrichtete die türkischen Waffen auf Unternehmungen nach aussen, gegenVenedig um die Insel Kandia, und gegen Oesterreich um Siebenbürgen,später auch noch gegen Polen um Podolien und die Ukraine. Zu dieserZeit hatte aber, wie schon gesagt, die Kriegskunst in Westeuropa solcheFortschritte gemacht, dass das türkische Heer nicht im Stande war, mitErfolg gegen Oesterreich und dessen Verbündete zu kämpfen, und häufigeNiederlagen erlitt. Dagegen entriss Achmed Kjöprili Venedig dieInsel Kandia (1669) und Polen einen Theil der Ukraine, Podolien undKamenjetz (1676), wonach er starb. Ihm folgte in der Stellung desGrossveziers seih Schwiegersohn Kara Mustapha, unter welchemdie Türkei nebst der Krym zum ersten Male mit Russland wegen derkleinrussischen Kasaken in Krieg verwickelt wurde. Nach einigenwechselnden Erfolgen vor Chotin schloss aber Kara Mustapha 1681Frieden, trat Asow an Russland ab, wendete die türkischen Waffengegen Oesterreich und belagerte Wien. Durch Sobieski 1683 vorWien besiegt, musste er dafür mit seinem Kopfe büssen. Vergebenssuchten seine Nachfolger Ibrahim und Suleiman die kriegerischeMacht der Türkei wieder herzustellen und ihren Waffen den Sieg zu ge-winnen. Die auf allen Seiten, namentlich gegen Oesterreich, eintreten-den Misserfolge Muhammed'sIV brachten die Janitscharen und dasVolk in Constantinopel so gegen diesen auf, dass am 8. November 1687sie ihn entthronten und seinen Bruder Suleiman II (oder III) an seineStelle setzten. Allein diese Umwälzung brachte die Türkei nur noch ineine schlimmere Lage. weil zu dem Elend des unglücklichen äusserenKrieges noch grösseres Elend im Inneren des Reiches kam, in Folge derZerwürfnisse, Unruhen, Empörungen und des zügellosen Despotismusdes Heeres. Der zum Range des Grossveziers erhobene Mustapha,