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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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108 I- Kriege von 16131689.

sich die Zahl der »Tschausche«, »Mumdschi« (Freigelassener) und »Otu-raken« (Pensionärel , wodurch die Zahl der »Akindschen« (Renner.Streifer), welche zu Zeiten den furchtbarsten Theil der türkischen Heerebei deren Einfällen gebildet hatten; von 20 000 auf 2000 herabsank.Die irregulären Fusstruppen in Europa und Asien gingen überhaupt nichtmehr in den Krieg, das Uberliessen sie den Lehnstruppen. Viele dieserLehnsleute wurden für Andere eingestellt, welche, obschon in denMusterrollen aufgeführt, doch nie in den Krieg gezogen waren. DieOrty der Sipahis und der Silihdare*) geriethen auch in Verfall. Dieschädlichsten Neuformationen im Heere waren die Sipalii Oghl an oderSpahicandidaten, und die Stellvertreter der Janitscharen durch aus derHefe des Volkes entnommene Söldlinge **).

»Tyrann war Murad IV im vollsten Sinne des Wortes, und zwarein schwarzgallichter, blutdürstiger, rachsüchtiger Tyrann . . . Von unge-meiner Stärke und Gewandtheit, beflügelte er den Wurf des Dshirids***)wie den von Pfeilen . . . und zerhieb den mit Rhinoceroshaut überzoge-nen indischen Schild aus Elephantenohr. Er liebte die Jagd von Hir-schen, Rehen, Hasen, Ebern, wilden Ziegen und Böcken, . . . besondersgrosse Treibjagden von 2530 000 Treibern ... Seine Worte, seineWinke wurden wie die Beschlüsse des Schicksals gefürchtet und befolgt.. . . Alles verstummte und flüchtete vor seiuer Gegenwart ... So ent-wickelte sich auch seine geheime Ausspäherei durch seine eigenen täg-lichen und nächtlichen Runden in stets wechselnder Verkleidung . . .Murad brannte von unersättlichem Gold- und Blutdurst, . . . um denDurst nach Gold zu stillen, floss in Strömen das Blut . . . Das Weinver-bot hatte er bei Todesstrafe erneut, sich selbst ruinirte er, indem ermit seinen Zechgenossen die Nächte durchschwelgte ... In den letzten7 Jahren seiner Regierung wurden auf seinen Befehl über ein halbes100 000 von Menschen hingerichtet: die Zahl der Schlachtopfer seiner17jährigen Regierung, im Aufrühre, auf dem Schlachtfelde, unter Hen-kershänden, ist wohl wenigstens auf 100 000 anzusetzen . . . Am spre-chendsten wird seine tief verborgene, mit Blutwucher lange hinausge-schobene Rachsucht, . . . durch sein eigenes Wort geschildert: »DieRache altert nicht, wenn sie auch ergraut«. . . Den Luxus hatte er strengverboten, er selbst hatte über 900 goldgezierte Handpferde, 40 Reitpferdeedler Racen . . . Die Truppen hielt er durch beschworenen Vertrag, undnoch mehr durch Strang und Schwert im Zaum. Unmittelbar vor seinemblutigen Feldzuge nach Bagdad wurde die Zahl des Heeres, besoldeter

*) SpahioderSipahi = Ritter; Silihdare = Reisige, Waffenträger. Anm. d.Ueb-**) Hammer, Geschichte des osmanischen Reiches. IV. Bd. Buch 45.***) Dshirid ist eine kleine leichte Lanze, wie sie heute noch bei den Beduinenim Gebrauche ist, dem römischen pilum ähnlich. Anm. d. Ueb.