102 I. Kriege von 1613—16S9.
So charakterisirt sich denn im Allgemeinen dieses freie und unab-hängige, kriegerische und halb räuberische Gemeinwesen der Saporogerals ein sehr eigenthümliches, interessantes, das seinerseits zur militärischenCharakteristik jener Zeit und der Dnjeprniederung beiträgt, — ähnlich wiebei den übrigen Kasaken am unteren Don, Wolga, Ural, in Sibirien, amKuban undTerek. Das waren aber auch schon die letzten Tage des »freienKasakenthums«, das seit dem 18. Jahrhundert vollständig unter die rus-rische Oberhoheit tritt und eine reguläre Organisation erhält").
§. 12.Krym- und andere Tataren.
Im 13. Jahrhundert hatten die Mongolen sich bei ihrem Einfalle inOst-Europa auch der taurischen Halbinsel bemächtigt, welche zum by-zantinischen Reiche gehörend von Griechen sowie von einem Gemischverschiedener Völkerschaften bewohnt war, die zur Zeit der Völkerwan-derungen von Osten nach dem Westen und vom Norden nach dem SüdenEuropa's gezogen waren; an der Südküste hatten sich ausserdem auchGenuesen niedergelassen. Die Mongolen waren auch in den Besitz derganzen Nordküste des schwarzen Meeres von der Donau bis zum Kubanund zum Kaukasus gelangt, und dieses ganze Gebiet nebst Taurien ge-hörte der Kiptschaker (später Goldenen) Horde: die Genuesen musstenanfänglich den Mongolen Tribut zahlen, wurden aber später fast ganz un-abhängig von ihnen. Im 15. Jahrhundert hatten die Türken sich nach derEinnahme von Constantinopel auch Taurien unterworfen, auf welcher sichbereits eine Krymsche Tatarenhorde unter der Herrschaft der daselbstneuentstandenen Dynastie der Ghireer, nahe verwandt mit Toch-tamysch, gebildet hatte, die nach und nach anwuchs und mehr eineverbündete Vasallen-, als eine tributpflichtige Stellung einnahm. Seitder Zeit des Begründers dieser Dynastie des Khans, Chadscüi-Ghire'i (gestorben 1476), wurde die Krymsche Horde, welche sich vonder Kiptschaker oder Goldenen Horde vollkommen unabhängig gemachthatte und zur Türkei nur in Vasallenbeziehungen stand, während des16. und 17. Jahrhunderts in ihrem Innern der Schauplatz häufiger inne-rer Kriege, nach aussen aber befand sie sich mehrmals zu Russland undPolen, wie auch zu dem mehr und mehr gegen sie heranrückenden doni-
*) Hauptquellen und geschichtliche Hülfsmittel zur Geschichte der Saporogersind: Pastorii (1652), Beauplan (1660), Chevalier (1663), Engel (1796),Bantysch Kamenski (1820 u. 1842), Markj ewitsch 11842), und in der letz-ten Zeit Sresnewski, Skalkowski u. A.