2. Polen und Lithauen, Kasaken, Tataren, Türken. 103
sehen und Dnjepr-Kasakenvolke in freundlichem und Bündniss-Verhält-niss, öfter aber in feindlichen Beziehungen. Im 17. Jahrhundert umfassteihr Besitz ausser der Halbinsel Krym die nördlichen Küsten des schwar-zen und Asowschen Meeres von der Mundung des Dnjestr und seineslinken Nebenflusses Kurtschagan, an der Südgrenze Podolien's entlangzur Mündung des Mertwyja Wodyflusses, linken Zuflusses des südlichenBug, von da längs der Saporosher Grenze bis zur Mündung des Ingulez, derein rechter Nebenfluss des untern Dnjepr ist, und dann am linken Dnjepr-ufer hinauf bis zur Insel Chortizza und der Saporoger Ssjätsch, und vonhier nach Osten bis zum Kalmiussflusse längs der Grenze des donischenKasakengebietes zu beiden Seiten des unteren Don, endlich zum süd-östlichen Küstenstriche des Asowschen Meeres bis zum nördlichen- Ab-hänge des Kaukasus. Weiter südlich befand sich die kleine nogaiischeHorde (Orda) welche von der Krymschen unabhängig, ja sogar in Feind-schaft mit ihr lebte, nach Westen aber, zwischen Meer, Dnjestr, Donau,Prut und der Südgrenze der Moldau lag die Budshaksteppe, in welcherdie von der Krym unabhängigen Budshaktataren nomadisirten.
In der Krymschen Horde, als der wichtigsten, folgten im 17. Jahr-hundert die Khans aus dem Geschlecht der. Ghireer: Bureh-Ghasibis 1609, Tochtamysch-Seljamet und Dshanibek bis 1623,Muhammed II bis 1637, Bagadyr bis 1644, und dann abwechselndMuhammed III, Islam II, Adil und Chadshi-Selim bis 1689,(unter Letzterem fanden die beiden Krymfeldzüge des Fürsten Galitzinstatt). Die glänzendste Epoche der Krym war die Regierung Islam's II,von 1644—1654. Er führte mehrere glückliche Einfälle in die Süd-grenzen Russlands aus, kehrte immer mit reicher Beute zurück und zeich-nete sich durch Gerechtigkeit und Milde gegen seine Untergebenen aus,ebenso wie der Khan Chadshi-Selim, welcher ausserdem durchseine Tapferkeit die Krym vor dem Einfall des russischen Heeres unterFürst Galitzin rettete. Uebrigens war die Krym im 17. Jahrhundertbeständig der Schauplatz von inneren Fehden der Khans aus dem Ge-schlechte der Ghireer und der Angriffe, welche Saporoger und donischeKasaken, Polen und Russen, Budshaker und Nogaiische Tataren gegensie richteten, und vermochte unter diesen schwierigen Umständen sichkaum zu erhalten.
Was die öffentliche und Kriegsorganisation und Wesen der Krym-schen Budshaker und Nogaiischen Tataren anbelangt, so behielten siedie alte Gestaltung, wie sie früher schon im 3. Theil der AllgemeinenKriegsgeschichte des Mittelalters auf Grundlage des Beauplan'schenWerkes: »Beschreibung der Ukraine in der Mitte des 17. Jahrhunderts«angegeben wurde. Ebendaselbst befindet sich auch die Darstellung derbei den Tataren gebräuchlichen Kriegführung. Es lassen sich nur noch