2. Polen und Lithauen, Kasaken, Tataren, Türken. 101
Zwistigkeiten zwischen Polen, Krym, Türkei und dann Russland, undzugleich ein Uebel, das im 18. Jahrhundert nicht länger geduldet wer-den konnte.
Die Saporoger fochten auch zu Lande. sowohl zu Pferde als zuFusse, in derselben Weise wie die kleinrussischen Kasaken. Mit ihrenFlinten gut schiessend, entwickelten sie in dem von der Wagenburg um-schirmten Tabor, oder in Schanzen und Festungen die meiste Tapfer-keit und Ausdauer: dort, sagt Beauplan, würden ihrer 100 nicht vor1000 Polen und mehreren tausend Tataren gewichen sein: wenn sie aberim offnen Felde zu Pferde denselben Muth gehabt hätten, wie zu Fussim Tabor oder in Verschanzungen, so wären sie geradezu unüberwind-lich gewesen.
Ihre Sitten und Gebräuche entsprachen, nach Beauplan, ganzihrem Verhalten zur See und zu Lande, wie es oben geschildert wurde.Von starkem Körperbau, ertrugen sie leicht Kälte und Hitze, Hunger undDurst, waren auf den Märschen und im Kriege unermüdlich, massig imEssen, nüchtern, kühn und tapfer bis zur Tollkühnheit, den Tod zogen sieder Gefangenschaft und Unfreiheit vor, ihre Freiheit war ihnen mehrwerth als jede Abhängigkeit, nach dem Kriege aber liebten sie es, zuHause zu schmausen und sich zu erheitern, sie waren freigebig, uneigen-nützig, untereinander ehrlich und gute Kameraden. Im Frieden bestandihre Hauptbeschäftigung in Jagd und Fischfang; es gab auch tüchtigeHandwerker aller Art unter ihnen, darunter Leute, welche Salpeter zugewinnen und Pulver herzustellen verstanden. Ihr fruchtbares Landlieferte ihnen Getreide im Ueberfluss, sie liebten aber Fische. Fleisch.Milch, Eier und Obst mehr, ebenso auch starke Getränke.
Einige von ihnen wurden bisweilen aus der Ssj ätsch in die Simownikientlassen, wo ein Theil derselben die Wache stellte und die »Palanken«(Pfahlwerke) oder die Dörfer schützte, die Uebrigen, von der »Towa-rischtschestwo« (aktiven Liniendienst) befreit und »Ossadtschye« (Sesshafte)geworden, sich mit Ackerbau, Viehzucht und Handel mit Salz und Weizenzu den Türken in Otschakow und zu den Krymzern in Perekop beschäf-tigten. Sie hiessen Pospolitye Ljudi oder städtische Kasaken,im Gegensatz zu den Woiskowy oder Kriegerschafts-Kasaken. Sieverblieben aber unter der Gerichtsbarkeit der woiskowoje Towarisch-tschestwo, leisteten geringe Naturalabgaben an die Ssjätsch und nahmenauch an gewissen allgemeinen Lasten Theil, z. B. zum Unterhalt derFähren, Ausbesserung der Wege, Brücken u. s. w. Wenn der Saporo-ger ganz aus dem Heere ausschied, erhielt er ein Zeugniss über »seineEntlassung aus der Kosch (dem Verbände) des Saporoger Heeres derNiederung« und war dadurch von aller Abhängigkeit von diesem be-freit.