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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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100 I. Kriege von 16131689.

für sie günstige Sichtung des Windes und der Sonne, so dass Letztere zumAbend hinter ihnen stand. Eine Stunde nach Sonnenuntergang näher-ten sie sich dem Gegner soweit, dass sie ihn nicht aus dem Gesicht ver-lieren konnten. Um Mitternacht brachen sie los, enterten, nahmen vondem Schiffe rasch das Geld, die leicht transportablen Gegenstände, Ge-wehre, Waffen u. s. w., und versenkten dann das Schiff mit sammt derMannschaft. Bei der Heimkehr wurde ihnen von den Türken an der Dnjepr-mündung aufgelauert, die Saporoger aber zogen ihre Schiffe in demMeerbusen 1015 Werst von Otschakow ans Land, trugen oder zogendie Tschaiken über die schmale Landenge, und nach 23 Tagen warihre ganze Flotille wohlbehalten wieder auf dem Dnjepr. Es gab nocheinen andern Weg durch den Meerbusen von Kertsch zu der Mündung desFlusses Miuss und diesen stromauf; diesen Weg wählten die Saporogerjedoch selten, wegen seiner Entfernung von der Saporoshie.

Es geschah übrigens auch, dass sie selbst in grosse Noth geriethen,wenn sie den türkischen Galeeren bei Tage und auf offenem Meere be-gegneten. Dann wurden ihre Tschaiken durch das türkische Geschütz-feuer häufig mit Equipage und Beute in den Grund gebohrt; wenn sichdie Saporoger aber zum Kampfe entschlossen, dann fochten sie mit ver-zweifelter Tapferkeit, sie verloren aber durch das feindliche Feuer oftbis zu 2 / 3 ihrer Bemannung und kehrten selten mit der Hälfte derselbenzurück. Kehrten sie aber wohlbehalten heim, so hatten sie reiche undunermessliche Beute mitgebracht, welche sofort an einer Stelle desDjnepraufgespeichert wurde, da wo etwas unterhalb der Einmündung desFlüsschens Tschertomlyk fast in der Mitte des Dnjepr eine ziemlich grosse,mit alten Erdwällen versehene Insel, von mehr als 1000 mit hohem Schilfbewachsenen Inselchen umgeben, lag. Diesen Zufluchtsort nannten dieSaporoger Woiskowaja Skarbnitza, d. h. Kriegsschatzkammer,und war er vor den Türken ganz sicher, da diese auf ihren Galeeren niebis dahin vorzudringen vermochten. Hier theilten die Saporoger dieBeute unter sich, und was durch Nässe nicht leiden konnte, wurde imWasser verborgen. Einen Kanonenschuss unterhalb der »Wolny«-Strom-schnellen lag eine felsige Insel, welche die Saporoger K aschewar-niza*) nannten, hier feierten sie jedesmal nach glücklicher Heimkehrvom Auszuge Feste und Gelage.

Man sieht hieraus, dass das Hauptgewerbe der Saporoger Seeräube-rei war, wie überall ebenso einträglich als gefahrvoll, und ausserordent-liche Kühnheit, Verwegenheit, Gewandtheit, Scharfsinn und List erfor-dernd, Eigenschaften, an denen es den Saporogern nicht fehlte. IhreSeeräubereien aber waren die Ursache unaufhörlicher gegenseitiger

*) Kaschewar heisst Koch. Anm. d. Ueb.