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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
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2. Polen und Lithauen, Kasaken, Tataren, Türken. 99

mit einem Boden aus ausgehöhlten Balken, an den Seiten mit Bretternverschlagen, welche vom Hintertheil bis zum Schiffsschnabel mit Seilenaus Schilfrohr überzogen waren, das mit Lindenbast oder Weissdorn um-wickelt war. Alle übrigen Theile der Tschaiken waren wie bei Fluss-kähnen hergestellt, nur mit 2 Steuerrudern hinten und vorn, um ohne zuwenden vorwärts und rückwärts fahren zu können. Diese Tschaikenhatten 1015 Ruder auf jeder Seite und liefen gerudert viel schnellerals die türkischen »Katorgen« oder Galeeren. Auch ein Mast befand sichauf der Tschaika, an welchem bei schwachem Winde ein dürftiges Segelbefestigt wurde, war der Wind stärker, so bedienten sich die Saporogerlieber der Ruder. Ein Verdeck hatten die Tschaiken nicht; kam Wasserhinein, so bewahrten doch die Seile sie vor dem Untersinken. DieMundvorräthe legten sie an den Seiten auf den Boden, ausserdem ver-sorgte sich jeder Saporoger mit einem Topfe voll Teig, mit Wasser ange-macht , den sie mit Hirse assen; Wein und Branntwein fährten sie niemit sich, da sie Nüchternheit bei ihren gefährlichen Unternehmungen zurSee für unerlässlich hielten. Auf jeder Tschaike, welche 60 Menschenin 14 Tagen fertig bauen konnten, befanden sich 5070Mann, derenjeder

1 Säbel, 2 Flinten, 6 Pfund Pulver im Pul verhorne, und eine hinlänglicheAnzahl von Kugeln besass. Der Anzug für die Fahrt bestand aus Hemd,

2 Pluderhosen, Sipun oder Kaftan aus grobem Tuch und Schapka. Aufjeder Tschaika war 1 Quadrant und 2 Falkonetts, und wurde der erfor-derliche Schiessbedarf und Vorrath mitgenommen.

Auf so gebrechlichen Fahrzeugen schwammen die Saporoger inFlotillen von 80 bis 100 Tschaiken, mit 45000 Mann Bemannung und160200 Falkonetts, den Dnjepr hinab und kühn ins Meer hinaus, soeng beisammen, dass sich die Ruder der Tschaiken fast berührten, dieAtamansflagge vorne an. Die Türken verlegten ihnen mit ihren Ga-leeren den Weg, aber die listigen Saporoger verbargen sich bis zum Neu-mond im Schilf (wohin die Türken mit ihren Galeeren nicht zu dringenvermochten noch wagten) und in der sehr dunklen Nacht vor dem Neu-mond gelang es ihnen, aus der Mündung ins Meer zu gelangen. Nacheiner Fahrt von 3640 Stunden hatten sie schon die Küste vonAnatolienerreicht, Hessen auf den Tschaiken je 2 Towarischtsch' und 2 jüngereKasaken mit Flinten und Säbeln bewaffnet zur Bewachung zurück, führ-ten die Landung und den Ueberfall überraschend aus, bemächtigten sichder Städte mit Sturm , plünderten und sengten oft bis auf 5 Werst Ent-fernung vom Ufer; dann kehrten sie ungesäumt zu ihren Tschaiken zurück,beluden sie mit der gewonnenen Beute, fuhren weiter und trieben es so über-all; wenn es nöthig wurde, wandten sie sich mit der Beute der Heimat zu.Begegneten sie auf der See den türkischen Galeeren oder Kauffahrtei-schiffen , so Messen sie schon von weitem die Masten nieder, wählten die