84 I. Kriege von 1613—1689.
Khan der Kryni und der türkische Sultan Über die Raubzüge ain schwar-zen Meere. Die Kasaken erwiderten stets, »dass sie sich in äusserstbedrängter Lage befänden und dass sie nicht sich von Nichts nähren underhalten könnten.« In dieser Zeit nun, 1667, sammelte der »Wo-rowskoi«, d. h. »der zügellose« Ataman Stenjka (Stephan) Rasin —indem er einen Aufruf erliess (»Kliknul Kritsck«) — eine ziemlich grosseSchaar von freiwilligen (wolny ochotschi) Kasaken zum »Erwerbe« amschwarzen Meere bei den Tataren und Türken. — Der Ataman desHeeres aber, Cornelius Jakowlew, hielt mit seinen Gefährten Ra-sin von diesem Zuge ab. Dafür brach Rasin mit seinem Haufen überden Don zur Wolga und zum kaspischen Meere auf und fing dort furcht-bar zu plündern an. Cornelius Jakowlew konnte nichts Entschei-dendes gegen ihn unternehmen, weil Rasin im donischen Heere vieleGesinnungsgenossen hatte. Da er indessen einen zornigen Erlass vomZaren erhielt, welcher das ganze Heer des Einverständnisses mit Rasinbeargwöhnte, so schickte der Ataman an Rasin eine Gesandtschaft mitdem Erlass des Zaren und dem Befehl, sich zu unterwerfen. Rasin er-klärte sich bereit, wenn der Zar ihm einen Gnadenbrief gäbe, aber esvergingen zwei Jahre ohne Antwort, und erst im August 1669 zeigteRasin seine Unterwerfung an, kehrte zum Don zurück und lagerte fürden Winter auf einer Doninsel unweit des Forts Kagalnitzk. Der Ata-man und die besten Kasaken hatten keine Verbindung mit ihm, konntenaber nicht entschieden gegen ihn auftreten und schickten eine Stanitza(Kasakendorf, auch die streitbare Mannschaft eines Kasakendorfes) nachMoskau um Befehle. In Moskau aber glaubte man nicht an die Treueder Kriegerschaft, und so wurde diese Stanitza in Cholmogory festgehalten.Erst später überzeugte man sich in Moskau von der Treue des besserenTheiles des Heeres, und es wurde der zarische Shilze Eudokimof miteiner Gnadenurkunde zum Don gesandt, zugleich um Erkundigungen überRasin's Absichten einzuziehen. Der Letztere erschien mit seinem Haufenplötzlich in Tscherkask, als daselbst gerade der Kasakenkreistag (Wois-kowoiKrug, Corpskreis) versammelt war, Hess Eudokimof ermorden undden Leichnam in den Don werfen, hätte den Ataman selbst fast erschla-gen , und wüthete 11 Tage lang mordend und plündernd in Tscherkask,dann zog er zur Wolga. Von Moskau aus wurde Befehl erlassen, Rasinam Don oder an der Wolge festzuhalten. Von den Truppen des Zarenbei Simbirsk geschlagen, warf Rasin sich mit wenigen Anhängern insein altes Lager auf der Doninsel bei Kagalnitzk, wo er sich verschanzteund den Winter zubrachte. Der Ataman Jakowlew, der Starschina0 s s i p o f und andere Starschinen sammelten heimlich ein Heer, Ge-schütze und Schiffe und rückten Anfangs Frühjahr 1670 auf dem Donund zu Lande vor Rasin's Lager. Dieser ergab sich nach hartnäcki-