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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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78 I. Kriege von 1613 luv).

Europa, bei Deutschen, Ungarn u. s. w. (nicht aber bei den Schweden.Niederländern und Franzosen) üblich waren.

Die innere Organisation des Heeres war nicht besser, vielleicht nochschlechter als die taktische. Der König selbst übernahm, wenn er eswollte, den Oberbefehl über das Heer nur in Kriegszeiten. Zwei Gross-hetmans, der der Krone und der lithauische, führten den Oberbefehl,der Erstere über die polnischen, der Andere über die lithauischen Trup-pen, vollkommen unabhängig von einander, sie wurden auf Zeitlebensernannt und waren lediglich dem Reichstage verantwortlich. Jeder Het-man empfing bei seiner Ernennung die Zeichen seiner Würde, den Feld-herrnstab (Hetmanskeule) und, nach tatarischer Sitte, den Buntschuk(Hetmansstab, türkische Fahne, Stange mit Rossschweifen), welchender Buntschukowy« vor ihnen hertrug. Die Grosshetmans waren nichtSenatoren, sie hatten aber Sitz im Senate, erhielten vom Könige den Titel»Wojewode« oder »Kastellan« und waren, als die unbeschränkten Führerder bewaffneten Macht des »Rjätschi Pospolitoi« (der polnischen Republik),die wichtigsten Personen in dieser. Sie hatten Macht, zu Rangklassen zuerheben, Belohnungen zu bestimmen, Strafen, sogar die Todesstrafe zuverfügen, nach ihrem Ermessen die Truppen in Quartiere zu verlegenund die vor dem Kriege in dem Rathe des Königs mit den Senatorenfestgestellten Kriegs- oder Feldzugspläne auszuführen. Die nächst-höchsten Befehlshaber in Polen und Lithauen waren: der »Strashnik«.Commandeur der Avantgarde, der»Obosny« (bei den Deutschen »General-Quartiermeister«) , der »Woiskowoi Pissar«, Vorgesetzter der Heeresver-waltung (des Stabes), der Commandeur der Artillerie, und der »Ohorun-shi«, welcher die Pospolite ruszenie (Landwehr, Volksaufgebot) befeh-ligte. Unterführer waren die Obersten (Polkowniki), Rottmeister, Sotniki(Hunderter), Dessjatniki (Zehner) u. s. w.

Die Unterhaltung der Truppen war sehr ungeordnet, wegen dersteten Unzulänglichkeit der Geldmittel, welche der Reichstag dafürbestimmte. In Folge dessen wurde das stehende Heer mitunter nichtcomplet gehalten, der Sold nicht richtig gezahlt, und konnte in denTruppen keine Disciplin sein. Der Sold sollte quartaliter gezahltwerden, thatsächlich wurde er nach Willkür und Ermessen der Truppen-befehlshaber und nicht voll ausgezahlt, die Anführer selbst bekamen ihnnicht voll. Nach Beendigung des Feldzuges, wenn Geld vorhandenwar, wurde dies durch eine besondere Commission, welche unterJohann Kasimir in Lwow zusammentrat, unter Aufsicht desHetmansoder seines Gehülfen vertheilt. Ebendaselbst theilte der Hetman dieBelohnungen aus und bestimmte die »hiberny« (Winterquartiere) für dieTruppen, wodurch die Einwohner ausgesogen, den Soldaten und An-führern aber Mittel zur Bereicherung gegeben wurden. Da es keine