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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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2. Polen und Lithauen, Easaken, Tataren, Türken. 79

Magazine mit Lebensniittelvorräthen gab. weder ständige, noch auf Zeit,noch auch Beamte für die Verpflegung der Truppen, so führten die Be-fehlshaber ihre Truppen nach Belieben in »hiberny«, indem sie die Ge-genden nach Zahl und Güte der Dörfer aussuchten und die Bewohnerausplünderten, für welche eine solche Truppeneinquartierung einemTatareneinfall gleichkam. Die Hetmans selbst verachteten diese Artvon Bereicherung" nicht, und Einige derselben (wie z. B. Konjez-polski) hatten durch »hiberny« sich grosse Besitzungen erworben. Be-sonders aber nahmen diese verheerenden »hiberny« dann grosse Dimen-sionen an, wenn das Heer, das keinen Sold empfing, sich empörte, »con-föderirte«, d. h. eine militärische Oonföderation bildete , ans seiner Mitteeinen »Marschalk« wählte und, Städte und Dörfer durchziehend, mitGewalt den ihm zuständigen Sold beitrieb, d. h. Alles ausplünderte,häufig nicht einmal die königlichen und die Güter der Schljachta scho-nend, bis der Reichstag den Sold bezahlt hatte*).

Bei solchen Ausschreitungen konnte von Disciplin und Ordnungkeine Rede mehr sein in einem Heere, dessen moralischer Zustand aufniedrigster Stufe stand.

Aus dem Gesagten geht hervor, in welch traurigem Zustande sichim 17. Jahrhundert die Heeresorganisation und das Kriegswesen inPolen und Lithauen befand. In keinem Punkte sie übertreffend, standensie sogar hinter jenen der Russen, Kasaken. Tataren und Türken weitzurück, denn bei den Russen und Kasaken herrschte keine solche Anar-chie , sondern mehr oder weniger Einheit und Gleichmässigkeit, und dieTataren und Türken waren bei aller Ungebundenheit doch äusserst krie-gerisch. Was die Schweden unter Gustav Adolph und unterKarl X Gustav anbelangt, so standen sie in kriegerischer Hinsichtso unvergleichlich höher, als Polen und Lithauer, dass ein Vergleicheben undenkbar ist. Kein Wunder, dass Gustav Adolph Livland,Kurland und Preussen bis zur Weichsel, Karl X Gustav Grosspolen,und der Zar AlexeiMichailowitsch Lithauen eroberte; nur das istwunderbar, dass Polen nicht schon damals ganz unterging und zwischenSchweden und Russland getheilt wurde.

Wenn trotz alledem Polen und Lithauer gelegentlich mehr oderminder wichtige Kriegserfolge errangen, so verdankten sie dies aus-schliesslich ihren besten Feldherren jener Zeit: Sholkjewski.Chodkjewitsch, Konj ezpolski, Tscharnezki, Sobieski u.s.w.

*] Pawlischtscheff: Die poln. Anarchie.