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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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2. Polen und Lithaueu, Kasaken, Tataren, Türken. 77

höchstens auf 85 000 Mann, nahm im 17. Jahrhundert allmälig ab. indem Maasse wie die Finanzen in Unordnung geriethen, das Land ver-armte , die von dem Reichstage festgesetzten Geldeinnahmen sich ver-ringerten , und war endlich auf 48000 Mann herabgesunken, von denen32000 Mann polnische oder Kronstruppen, und 16 000 Mann lithauischeTruppen waren.

Die taktischen Formationen, Evolutionen und Kampfart waren zumTheil (bei den fremden Truppen) regulär, grösstentheils (bei den Natio-naltruppen) irregulär. Die allgemeine taktische Einheit war das Banner(chorugwj), die Rotte beim Fussvolk, Escadron bei der Reiterei, unterdem Befehl von Capitäns oder Rottmeistern. Bei den Regimentern frem-der Formation waren Aufstellung, taktische Formation, Schiessen, Marschund Gefecht wie bei den deutschen Heeren jener Zeit: bei dem National-heer waren sie ohne regelmässige Form und blieben auf der früherenGrundlage, die Ausführung erfolgte nach altem Gebrauche. Die Marsch-bewegung und die Aufstellung des ganzen Heeres erfolgte in derselbenWeise wie bei den Hussiten im 15., bei den Kasaken und Türken im 17.Jahrhundert, nämlich in Form eines langen Vierecks, das auf allen vierSeiten durch die stets sehr zahlreichen und unter sich noch mit Ket-ten verbundenen Fahrzeuge, geschützt wurde. Hinter diesen Fahr-zeugen im Innern des Vierecks marschirte oder stand die Feldartillerie,ganz in der Mitte das Fussvolk, und die schwere Reiterei, ausserhalb dieleichte Reiterei. Zum Nachtlager und zum Kampfe stellte sich das Heer inderselben Weise auf, im »Tabor«, bisweilen die Deckung der Stellung jenach Umständen durch örtliche Hindernisse oder künstliche Befestigun-gen, Erdschanzen mit Wall und Graben, Zäune und spanische Reiterbewerkstelligend. Aufstellung, Befestigung und Vertheidigung desTabors lag allen Truppengattungen ob, ausgenommen die schwereSchljachtitzen-Cavallerie, welche, wie gesagt, nicht anders als zu Pferdein offener Feldschlacht, in hauptsächlich mit der blanken Waffe ausge-führten Attacken kämpfte, allen Dienst und Kampf zu Fuss als erniedrigendansah, bei Niederlagen aber oder in Gefahr sich nicht schämte, denRücken zu kehren und zu fliehen. Die Artillerie vertheidigte dieTabors des Heeres hauptsächlich durch ihr Feuer nach allen Seiten, beimAngriff auf feindliche Tabors beschoss sie dieselben lebhaft, konnte aberihrer Unbeweglichkeit halber den Angriffsbewegungen im Kampfe nichtrasch folgen und daher nur geringe Thätigkeit entfalten.

Bei der Belagerung und Vertheidigung von Festungen und befestig-ten Städten wurden meist die allgemeinen damals in Ost-Europa ge-bräuchlichen Mittel angewendet, wie sie bei Russen, Kasaken, Tatarenund Türken vorkamen, nur zum Theil auch solche, welche in West-