76 I. Kriege von 1613-16S9.
nach Bestätigung des Königs einberufen und ins Feld gestellt, aber nurinnerhalb der Reichsgrenzen und nicht länger als auf drei Monate (des.Sommers). Es war dies eine sehr schlechte Truppe, stets bereit zu Conföde-rationen. zum Entlaufen in die Heimath oder auch zum Auseinandergehen.um nicht in den Kampf zu ziehen. Weit furchtbarer den eigenen Mit-bürgern, als den äusseren Feieden, wurde diese Schaar nur ungern,mehr zum Schein. als zu wirklichem Dienste und Nutzen einberufen.Jeder der »Pospoliten« führte ein Fuhrwerk mit Lebensmitteln mit sich.die besonders Reichen einen ganzen Tross nebst Gesinde. Deshalbkonnte man in ihren »Tabors« (Wagenburgen, Lagern^ 1 , namentlich zurZeit der Kriege gegen die Kasaken. viele tausend Fahrzeuge zählen undbei diesen das verschiedenste Gesindel von Trossknechten (»Zjura« oder»Dschura«). Bei der geringsten Gefahr ergriff die ganze Trossgesellschaft• die Flucht und riss das ganze Heer hinter sich drein *).
Das fremde Heer, Truppen fremder Formation, war an Zahl weitgeringer, und bestand aus Fussvolk und Reiterei. Das Fussvolk bestandaus den von Sigismund August 1563 errichteten»Quartianen«, welcheaus den königlichen Gütern ausgehoben und aus dem Quart oder y 4 Theilder Einkünfte von diesen Gütern unterhalten wurden, und der von Ste-phan Bathori gegründeten, auf gleiche Weise eingezogenen und unter-haltenen »wybranetzkaja Infanterie«. Die eine wie die andre dieser In-fanterieen hatte, unter dem gemeinschaftlichen Namen »Quartianen«(Kwarciane) oder »Quartianentruppen«, schlechte und ungleichförmigeKleidung, die Reiterei waren »Dragoner« und »Reiter«, gleichfalls durchStephan Bathori errichtet, theils aus den von den königlichen Gü-tern ausgehobenen Rekruten, theils aus freiwillig Eintretenden. Quar-tianen. Dragoner und Reiter waren nach deutschem Muster organisirtund ausgebildet und formirten Regimenter unter dem Befehl der vornehm-sten Magnaten; diese Regimenter theilten sich — bei der Infanterie inRotten, bei den Dragonern und Reitern in Escadrons.
An Artillerie gab es: Feldartillerie bei den Truppen, Festungs-artillerie in den Festungen , und Belagerungsartillerie für Belagerungen.Die erstere war im Ganzen wenig zahlreich und hatte Geschütze vonkleinem Kaliber, welche durch Pferdegespanne gezogen wurden. DieFestungs-und Belagerungsartillerie hatte grosse Kaliber, und wurde letz-tere auch wie Feldgeschütze bespannt. Ueberhaupt aber war die Artil-lerie in keinem guten Zustande, Wladislaw (wie schon erwähnt)vervollkommnete sie und ihre Bedienung und Thätigkeit.
Die numerische Stärke des gesammten polnisch - lithauischen ste-henden Heeres belief sich zur besten Zeit, unter Stephan Bathori.
*) Pawlischtscheff: Poln. Anarchie.