2. Polen und Lithauen, Kasaken, Tataren, Türken. 75
batteil aber keine Lanzen und galten für leicbte Cavallerie. Die »Pa-choliki« der Einen wie der Andern führten dieselbe, nur einfachere Be-waffnung und trugen ferner keine Panzer, sondern einen Kaftan mit Wolfs-fell und einer wehenden Adlerfeder. Panzerniki wie Pacholiki erhielteneine kleine Besoldung aus dem Schatze (vomStaate), kosteten aber ihrenKittmeistern viel Geld; und diese bekamen ihrerseits vom Könige Dra-goner- oder Infanterieregimenter fremder Formation (s.u.), die ihnengrosse Einnahmen brachten. Alle diese Arten von adliger Cavalleriehatten ausgezeichnete Pferde und reiches Pferdegeschirr, ritten aber aufTrense, weshalb bisweilen die Pferde mit ihnen in die Reihen der Feindedurchgingen, wo dann die Reiter, besonders die Husaren, in Folge ihrerschweren Rüstung und der dadurch erzeugten Unbeweglichkeit, meistverloren waren. In der Schlachtordnung bildeten die Towarzyszi daserste Glied, ihre Pacholiki das zweite und dritte, alle drei eng geschlos-sen, (wie beiden französischenOrdonanzrotten). Die Schljachtitzencaval-lerie, welche einen bedeutenden Theil des Heeres überhaupt und derCavallerie im besonderen bildete, behielt sich selbst nur den ehrenvoll-sten Dienst — zu Pferde und bei den entscheidenden Stössen im Kampfe,im Felde wie in der Stadt vor, — den weniger ehrenvollen überliesssie den Dragonern und dem Fussvolk (s.u.), welche den kleineren Theildes Heeres ausmachten*).
Die leichte irreguläre Cavallerie war aus den Bannern der freiwilligoder für Sold dienenden der verschiedenen Nationalitäten (Deutschen,Ungarn, Wallachen u. s. w.) gebildet, in Lithauen ausserdem durch die»lithauer und pjatigorsker Druschinen« (zu Anfang des 17. Jahrhundertsbekannt unter dem Namen Lissowtschiks, so benannt nach ihremAnführer, dem berühmten Lissowski). Der beste Theil aber der leich-ten Cavallerie waren die Dnjeprkasaken: »die oberen, ukrainischen oderstädtischen« und »die unteren oder Saporoger Kasaken«, welche ihre Be-rühmtheit durch ihre aussergewöhnliche kriegerische Gewandheit, Muth,Tapferkeit, Kühnheit und ihre geschickten Thaten erworben hatten.Sie waren zu Pferde und zu Fuss, gut bewaffnet, und den Tataren, Tür-ken, ja selbst den Polen furchtbar, wenn die letzteren durch ihre grau-samen Bedrückungen sie zu Empörung und Abfall gereizt hatten • ).
Bei besonders wichtigen oder gefährlichen Gelegenheiten trat alsHülfsmacht für das Heer die »pospolite ruszenie« (oder »Pospolinike Ru-scenia«) auf, das Massenaufgebot (allgemeiner Feldzug) der Schljachta,und zwar das allgemeine oder das eines Bezirks oder mehrerer Wojewod-schaften — alle zu Pferde. Es wurde auf Beschluss des Reichstags und
*) Pawlischtschef f: Die poln. Anarchie.*) Pawlischtscheff: Die poln. Anarchie.