Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
74
Einzelbild herunterladen
 

7-1 I. Kriege von 16131689.

ren waren nur auf Zeit, ohne regelrechte Organisation, die Andern mehroder weniger stehend und regelrecht organisirt. Bei Beiden gab es Caval-lerie, Fussvolk und Artillerie. Die Zusammensetzung der Cavallerie warsehr mannigfaltig.

Die Cavallerie war überhaupt die weitaus zahlreichste Truppengat-tung. An der Spitze der Nationalcavallerie standen die Druschinen dervornehmsten und reichsten Schljachta oder der Magnaten. Jeder vonihnen hatte seine eigenen Haus-(Hof-) Banner, aus ihren bewaffneten Va-sallen (der vermögende und kleine Adel) und den Unterthanen (höfischeLeute und leibeigene Bauern) bestehend. Einige von diesen Magnaten,wie z. B. die Samoiski, Tjernawski, Ostroshski, Konjez-polski, Wischnewjezki, Potozki, Ljubomirski, Jablo-nowski u. A. in Polen, die Radziwil, Pazy, Sanguschki, Sa-pieha, Tyschkewitsch u. s. w. inLithauen,konnten Jeder 3000 bis7000 Mann in's Feld stellen, welche übrigens bei Fehden untereinander,bei Angriffen auf die Schljachta, zu Einfällen in die Moldau und zu Con-föderationen Verwendung fanden*). Die Schljachtitzen- oder adligeNational-Reiterei bestand, entsprechend der Eintheilung der Schljachtain höhere, mittlere und niedere oder kleine, aus Husaren und Pan-zerniki, nebst den Pacholiki der Einen und der Andern. Die Husa-ren hatten ausser dem Namen Nichts mit den ungarischen leichten Husa-ren gemein; im Gegentheil glichen sie vollkommen der mittelalterlichen,feudal-ritterlichen, schweren Reiterei und den französischen Ordonanz-Rotten des 15. und 16. Jahrhunderts. Ihre »Chorugwi« (choragwie)oder Escadrons wurden von »Rottmeistern« (rotmystrzy) aus den vornehm-sten Magnaten, Senatoren und sogar Gliedern der königlichen Familiekommandirt. Die Gemeinen, von dem vermögenden Adel, hiessen »To-warzyszi« und hatten Jeder zwei oder drei »Pacholika« (Waffenträger,Stallmeister) bei sich, von der geringen Schljachta. Die Husaren tru-gen volle Rlistung, gleich der der Ritter, und eine sehr verschiedenartigeund schwere Bewaffnung: zum Schutz (Brustpanzer, Arm- und Bein-schienen) und zum Angriff (lange Lanzen mit Fähnchen, Pallasch**),Säbel, Dolch, Streithammer, Karabiner, Pistolen u.s. w.). Diese ganzeBewaffnung, und ebenso die Pferde und deren Ausrüstung waren äusserstreich, kostbar und prächtig. Aber als Reiterei waren die Husaren einesehr schwere und unbewegliche Gattung und ihre Hauptwirkung bestandin der ungestümen Attake und der Kraft des Chocs. Die »Panzer-niki«, aus dem vermögenden Adel, waren wie die Husaren bewaffnet,

' Pawlischtscheff: Die poln Anarchie, Handschrift Seite 37.f) Dieser Pallasch war 5 Fuss lang und hatte unten eine viereckige geschliffeneSpitze zum Durchbohren des an der Erde liegenden Feindes. Anm. d. Ueb.