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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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2. Polen und Lithauen, Kasaken, Tataren, Türken. 73

bezeichnet durch den Abfall Doroschenko's, den Einfall des tür-kischen Sultans Muhammed IV in Podolien, und die Golembskaja undLowitschskaja-Conföderation, konnte in Bezug auf das Heer nichtsErspriesslicb.es geschehen und befand sich dieselbe in einer schrecklichenVerfassung.

Der Nachfolger Wischnewjezki's endlich, Johann III So-bjeski (16731696), niusste gleich nach seiner Wahl den Truppen Soldzahlen, um sie nur zufrieden zu stellen und zu beruhigen. Im Jahre 1676versprach auf Sobjeski's Bitten der Reichstag ihm, ein Heer von100 000 Mann gegen die Türken aufzustellen, statt dessen brachte S o -bjeski mit Mühe 13000 Mann zusammen. In den folgenden 2 Jahrender Ruhe beschäftigte er sich eifrig mit der Ergänzung, Organisation undAusbildung des Heeres, und nicht ohne Erfolg, da er einer der bestenFeldherrn seiner Zeit war. jedenfalls besser als Feldherr wie als Königvon Polen. Seine berühmten Kriegsthaten und Erfolge, besonders imJahre 1683 der Zug nach Wien und die Befreiung dieser Stadt von densie belagernden Türken durch einen glänzenden Sieg, verliehen den pol-nischen Waffen unzweifelhaften Ruhm. Aber Sobjeski erlitt auchgrosse Kriegsmisserfolge, hauptsächlich deshalb, weil die Reichstage sehrwenig oder überhaupt kein Geld für die Besoldung der Truppen gaben,auseinanderliefen, ohne einen Beschluss gefasst zu haben, und Alles demSchicksal überliessen, aber auch deshalb weil die durch S obj eski em-porgebrachten Sapieha's trotzdem ihm nicht gehorchten, die Reichstageauseinandersprengten, weder Geld noch Truppen gaben, oder letzterenur in sehr geringer Zahl und nicht rechtzeitig absendeten , sie in Vol-hynienvertheilten, das sie eine lithauische Provinz nannten (obgleichbislang es verboten gewesen war, polnische Truppen dorthin zu dislo-ciren) u. s. w. Solchergestalt konnte dann sogar unter Sobjeski. trotzseiner militärischen Verdienste, Nichts geschehen, was dem Heere zu beson-derem Nutzen gereicht und es in eine bessereVerfassuDggebracht hätte*).

Im Ganzen boten also militärische Organisation und Kriegswesen inPolen und Lithauen im 17. Jahrhundert folgendes Bild dar:

Das gesammte Heer theilte sich in das polnische oder könig-liche, und in das lithauische, jedes unter dem Oberbefehl seinesbesonderen Grosshetmans, der in Polen Kronshetman, resp. inLithauen lithauischer Hetman hiess. Zu dem einen und dem an-dern Heere gehörten: die Truppen polnischer und lithauischer Forma-tion oder National-(Volks-) Truppen, und die fremder, vorzugs-weise deutscher Formation, oder d i e fr e m d e n T r u p p e n. Die Erste-

*) Die angeführten Thatsachen s. »Poln. Geschichte«, von N. J. Pawlisch-tscheff {Warschau 1843).