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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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68 I. Kriege von 16131689.

kam nun noch, dass seit 1682, nach Sophia's Absicht, die Strelitzen,diese zügellosen, aufrührerischen und unruhigen russischen Janitscharen,welche in steter Empörung waren und Alles tyrannisirten, die Ueber-raacht im Heere und Staate gewannen. Das war fast noch schlimmer,als die aufrührerische Willkür der Betrüger (Pseudo-Demetrius u.s.w.),als die Mjästnitschestwo und das Kriegs-Lehns-System. Jene beidenUebel hörten auf, aber es blieb das dritte, und dazu gesellte sich dieFrechheit der Strelitzen. Und obgleich durch Sophia selbst zu Ende1682 einigermassen gezügelt, blieb dieser Geist doch noch für lange der-selbe, zum Nachtheil für die Armee und zum Schaden für das Reich.Was die stehenden regulären, nach westeuropäischer Art organisirtenfremden Söldner und russischen Soldatenregimenter fremder Formationanbelangt, so war zwar ihre Anzahl während der gemeinsamen RegierungIwan's und Peter's unter der Verwaltung Sophia's zu ziemlicher Höhegewachsen, aber ihre Organisation, Ausbildung, Aufstellung und Kampf-art , und überhaupt ihre kriegerischen Eigenschaften, Fähigkeiten undVerwendbarkeit erreichten nicht annähernd die der regulären TruppenWesteuropas zu Ende des 17. Jahrhunderts, besonders in Frankreichund Brandenburg (s. Allgemeine Kriegsgeschichte der Neuzeit in West-europa, 2. Theil). Um überhaupt ein richtiges Urtheil über den Zustandder russischen Truppen fremder und russischer Formation, und unterletzteren der Strelitzen, Artilleristen u. s. w., wie über das ganze Heer-wesen Russlands im 17. Jahrhundert zu gewinnen, niuss man es bestän-dig mit dem vergleichen, was zur selben Zeit in Westeuropa existirteTheil 1 und 2 der Allgemeinen Kriegsgeschichte neuer Zeit in West-europa). Ein solcher Vergleich zeigt, wie weit ersteres hinter letzteremzurück war, besonders in der zweiten Hälfte und gegen Ende des 17. Jahr-hunderts, als nach dem 30jährigen Kriege Heeresorganisation und Kriegs-kunst in Westeuropa enorme Fortschritte machten. In Russland dagegenbieten sie zur selben Zeit eine seltsame Mischung von Altem, Russischem,das seine Zeit überlebt hatte, in der Mehrheit, und von Neuem, Frem-dem, auf das Alte ungenügend Gepfropftem, in der Minderheit. Diese zweiElemente standen sich direkt gegenüber und bildeten sozusagen einemilitärische Spaltung, ähnlich der gleichzeitigen religiösen,sodass in der Armee die ihr durchaus nöthige Einheit und Gleichmässig-keit nicht aufkommen konnte und sie, gegen Ende des 17. Jahrhunderts,einen lebendigen Anachronismus gegenüber den Zeitumständen bildete,und die Frage entstand: soll das Heer ein altrussisches, oder einneueuropäisches sein?

Unsere Historiker und militärischen Schriftsteller führen, wenn sieüber den Zustand des Heeres vor P e t e r's I Regierungsantritt reden,gewöhnlich zwei einander vollkommen entgegenstehende Darstellungen