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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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$6 I. Kriege von 16131689.

lung in dieser Form befanden sie sich zu der Zeit, als im September 1689der 17jährige Zar Peter I zur Alleinherrschaft gelangte. In Folgedessen dienen sie besser als alles Andere dazu, die grossen letzten mili-tärischen Umgestaltungen derselben und die Beweggründe für diese auf-zuklären und die Bedeutung wie die Vorzüge dieser Umformungen gegendie Mängel des früheren Heeressystems abzuwägen. Aber auch ohnesolche Gegenüberstellung lassen sich die Nachtheile dieses Systems ansich selbst deutlich erkennen, wie in den Hauptgrundzügen, so auch inden verschiedenen Einzelheiten desselben. Die ersteren mochten rich-tig und gut sein zu der Zeit, als Russland in der zweiten Hälfte des -15. Jahrhunderts eben erst die Tatarenherrschaft abgeschüttelt hatte,im 15. und 16. Jahrhundert aber noch gegen Tatarenhorden imOsten und Süden, gegen Schweden im Norden, Polen im Westen undgegen die inneren Feinde in unruhiger Zeit zu kämpfen gezwungen war.Dem asiatischen Orient sich entreissend, Westeuropa jedoch noch fremdund sich an das System seiner Staaten nicht anschliessend, hatte Russ-land eine gewisse Sonderstellung inne, welche es natürlich nicht langezu behaupten vermochte. Indem es in seinem Heeressystem Vieles beibe-hielt , welches sich als Resultat seiner historischen Entwicklung ergebenhatte, einerseits die altrussischen Anfänge staatlicher und allgemeinerOrganisation, andererseits die unwillkürlichen Einflüsse der 2 Jahrhun-derte währenden mongolo-tatarischen Herrschaft, befand es sich im17. Jahrhundert seit der Thronbesteigung Michael's FeodorowitschRomanow bereits in einer vollkommen veränderten Lage. Durch dieMacht der Umstände und der persönlichen Ansichten und Bestrebungender russischen Herrscher hatte es sich mehr und mehr von Asien losge-macht und Westeuropa genähert, von welchem es 3 1 / 2 Jahrhunderte lang,seit seiner Unterwerfung durch die Mongolen, entfernt gestanden hatte.Und in den 77 Jahren von 16131689 war in militärischer Hinsichtnach dieser Richtung hin zwar viel geschehen, aber ziemlich langsamund unentschieden und keineswegs zweckmässig und erfolgreich. Vieleswar noch von der früheren alten Art geblieben, der neuen Bewegungnicht allein nicht förderlich, sondern sie hindernd, und noch mehr bliebzu thun, um diese letztere entschieden vorwärts zu bringen. Das aberwar durchaus erforderlich, denn, wie gesagt, in seiner Sonderstellungkonnte Russland nicht verbleiben, das Aufpfropfen einzelner Zweigewesteuropäischer Heeresorganisation und Kriegswesens auf sein altesKriegs-Lehns-System konnte keinen wesentlichen Nutzen gewähren.Das alte Heeressystem musste entschieden nach dem neuen westeuro-päischen Muster umgeformt werden. Leider war dies aus vielen Ur-sachen noch nicht möglich: in allen Klassen der Bevölkerung, vonden höchsten bis zu den untersten, im öffentlichen und privaten Leben