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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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64 I. Kriege von 16131689.

Infanteriefeuer, seltener durch den Ingenieur vermittelst Trancheengegen einen oder mehrere Punkte der Festung, auch wohl unterirdischdurch Pulverminen. Wenn die belagerte Festung vollkommen vomLande abgeschlossen, ihre Mauern und Thürme zerstört waren oder eineBresche zeigten, oder die Laufgräben an sie herangeführt, die Minengelegt waren, und die Festung sich dann noch nicht ergab, sondern ihreVertheidigung standhaft fortsetzte, dann blieb Nichts übrig, als entwedersie mit Sturm zu nehmen oder, je nach Jahreszeit und Umständen , dieBelagerung aufzuheben und abzuziehen. Zum Sturm aber schritten dieBelagerer ungern und selten, sie zogen vor, durch Bombardement oderHunger die Uebergabe zu erzwingen. Das Bombardement forderte we-niger Zeit. die blosse enge Einschliessung weit mehr, das erstere ent-sprach mehr, das letztere weit weniger der Kriegs-Lehns-Zusammen-setzung und Organisation der russischen Belagerungscorps. Wenn derHerbst herankam, wurde es schwierig, sie bei der Belagerung oder Ein-Schliessung zusammenzuhalten, sie begannen in die Heimath zudesertiren.Aus allen diesen Gründen musste, wenn es im Sommer nicht gelungenwar, die eingeschlossene oder belagerte Festung durch heftiges Bombar-dement, feste Einschliessung und Hunger zur Uebergabe zu zwingen, mitBeginn des Herbstes oder gar des Winters meist die Belagerung undEinschliessung aufgehoben und der Rückzug ohne Erfolg angetretenwerden. Im Allgemeinen muss man sagen , dass die Zusammensetzungund Organisation der russischen Corps, ihre Abneigung und Unfähigkeitin Bezug auf lange dauernde EinSchliessungen und Belagerungen, ihregeringe Kenntniss der Regeln damaliger Belagerungskunst (obgleich dieseRegeln in übersetzten Kriegsordonanzen bekannt gegeben wurden) einenErfolg solcher Einschliessungen und Belagerungen durch russische Corpsnicht begünstigten. Darum waren diese Unternehmungen auch seltenerfolgreich , einige sogar sehr unglücklich (wie z. B. die Belagerung vonSmolensk durch Schein, 16321633).

Weit besser dagegen verstanden die russischen Truppen ihre eigenenFestungen und überhaupt künstliche Befestigungen zu vertheidigen. Beisolchen Vertheidigungen (Sidjänie = siege, Belagerung) entwickel-ten sie aussergewöhnlichen Muth, Standhaftigkeit, Zähigkeit und Aus-dauer, indem sie alle möglichen Vertheidigungsmittel gegen den Feind an-wandten; so bei der berühmten Vertheidigung von Pskow, des KlostersTroitzka-Sergiejewaja, von Smolensk im 16. undAnfang des 17. Jahrhun-derts. Geschütz- und Gewehrvertheidigung von Mauern und Thürmen,Aufbau innerer Holzmauern (aus Blockhäusern) und Thürme, Zieheninnerer und äusserer Gräben, Erdarbeiten gegen die Laufgräben desFeindes (Contreapprochen), gegen seine Minen (Contreminen), Zuführenoder Abschneiden von Wasser, bisweilen auch Ueberschwemmungen,