62 I. Kriege von 1613—1689.
durch die Bezirke Koselsk und Bjelew zur Oka, und von da weiter durchdie Bezirke Wjenew und Rjäsan lief. Alexei Michailowitschführte diesen Verhau bis zur Sura und Wolga, und weiter bis zum FlusseIk, wie schon oben erwähnt wurde. Beide Theile dieses Verhaues ver-stärkte er durch Erdwälle und Gräben mitZaun und siedelte längs desselbenviele Städtchen , Dörfer und Stanitzen (Weiler) mit Soldaten und städti-schen Kasaken an. Nach Tatischtsc he w's Beschreibung erstrecktensich : der Koselsker Verhau auf 3 72 Werst, mitöThoren, derPeremyschlerauf 25 Werst, mit t Thore, der Lichwiner auf 35 Werst, mit 3 Thoren,der von Wjenew auf 25 Werst, mit 2 Thoren, der von Rjäsan auf 4972Werst, mit 4 Thoren, und der von Schazkai auf 70 Werst, mit 1 Thore.Alle diese Verhaue Messen die Tscheremschanska-, Sakamska-und Karsunskalinie. Die erstere dehnte sich vom Don zur Wolga,über die Provinzen Tambow und Schazkai bis Simbirsk, und bestand auseinem hohen Erdwall mit Graben und Zaun und vielen Forts ; zu ihremSchutze waren an derselben 10 Regimenter Soldaten und über 15 000städtische Kasaken angesiedelt. Die Tscheremschansker und Sakamska-linie bildeten, wie schon gesagt, die Fortsetzung der Karsunskalinie undbestanden zum Theil aus Erdwällen, zum Theil aus Holzverhauen. Diedaselbst angelegten Städtchen undColonieen: Iryklinsk, Tiinsk, Biljarsk,Nowoscheschminsk, Sa'i'nsk, Menselinsk u. s. w. waren mit polnischenGefangenen aus der Zeit des polnischen Krieges besiedelt.
Die Verteidigung des Reiches durch innere und besonders Grenz-festungen wurde unter allen unseren Monarchen im 1 7. Jahrhundert sehrverstärkt, am meisten durch A1 e x e i M i c h a i 10 w i t s c h. An der Süd-und Westgrenze wurden viele neue Befestigungen angelegt (Tambow,Pensa u. s. w.), die Werke der vorhandenen erneut, ausgebessert undverstärkt, — ebenso die im Inneren des Staates. Es geschah überhauptin dieser Hinsicht sehr viel.
Die Befestigung der grossen Städte im Innern und der Grenzfestun-gen mit steinernen Mauern, Thürmen und Gräben behielt dieselbe Formwie im 15. und 16. Jahrhundert, wie dies am besten ersichtlich ist anden erhaltenen Werken von Moskau, Nowgorod. Pskow, Smolensk,Wladimir an der Kljasma, Nisclmi-Nowgorod, Kasan u. a. Von derwesteuropäischen permanenten Befestigungskunst des 17. Jahrhundertsist an ihnen Nichts zu sehen, und wo Derartiges vorkommt (wie z. B.bei Kiew die Petrowskafestung), gehört es schon in das 18. Jahrhundert.In kleinerem Maassstabe kann man unsere alten Klöster, welche vonSteinmauern und Thürmen, aber ohne Gräben, umgeben sind, als Musterunserer Steinfestungen in jener Zeit ansehen. Nur bleibt noch zu be-merken, dass die russischen Festungen des 17. Jahrhunderts sowohl fürGewehr-, als auch hauptsächlich für Geschützvertheidigung eingerichtet