58 I. Kriege von 1(513—1689.
Feldzuges uach Hause entlassen und für Wunden belohnt wurden, nurEins wünschten, nämlich so rasch als möglich zurück zu kehren, womög-lich mit einer leichten Verwundung, um die Belohnung dafür zu empfan-gen, und dass sie den Krieg nur als eine drückende Verpflichtung be-trachteten, für welche sie keine Lust, sondern gradezu Abneigungempfanden«. Possoschkow aber sagt, dass »die Truppen nicht gut,ja nicht einmal schlecht zu schiessen verstanden, dass die Gewehre unddie Munition wie die blanken Waffen schlecht waren , das Pulver i oftfeucht, bei der Cavallerie schlechte Schindmähren, stumpfe Säbel undPiken, die Leute »fast bloss und unbekleidet«, dass kein Dwor-janin (Adliger) ein Gewehr zu laden verstand, dass Alle auf's Höchsteerstaunt waren, wenn einmal Einer 2—3 Feinde umgebracht hatte, dass,wer seine Sotnie (Compagnie) verloren hatte, Nichts anzufangen wusste;im Dienste sannen sie nur darauf, wie sie sich im Kampfe verbergenkönnten, die Einen entfernten gich in ganzen Sotnicn in Wälder undSchluchten, und wenn die Andern aus dem Kampfe kamen, gingen Jenemit ihnen, als ob sie auch am Gefecht theilgenommen hätten; wie derFeind zu besiegen , daran dachten sie nicht, sondern sannen nur darauf,so schnell als möglich nach Hause zu gelangen, mit einer leichten Wundewomöglich, um dafür eine Belohnung zu empfangen; andre Dworjanesagten: »Gott gebe, dem Zaren zu dienen, aber die Säbel nicht aus derScheide zu ziehen««. — Wir wollen annehmen, dass diese Erzählungenvon Kotoschichin und Possoschkow zu weit gehen, im Wesent-lichen aber muss man sie für wahr oder wenigstens für sehr wahrschein-lich halten, weil sie mit allen beklagenswerthen Mängeln jenes vollkom-men trügerischen und nutzlosen Kriegslehnssystems zusammenstimmen,welches, wie die Mjästnitschestwo (Rangstreitigkeit) nicht gut, sondernein grosses Uebel war. Aber die Mjästnitschestwo wollte und konnteman beseitigen, den Kriegslehnsdienst behielt man bei wie ein unverletz-liches Heiligthum.
§.7.
Feld- und permanente Befestigung; Belagerung und Vertheidigung
von Festungen.
Wie das ganze russische Kriegssystem im 17. Jahrhundert im All-gemeinen stärker in der Defensive, als in der Offensive war, so hatteauch die Kunst des Erbauens, Angriffs und der Vertheidigung von Feld-und permanenten Befestigungen, oder die Ingenieur-Kunst, ingewissem Sinne sich gut entwickelt, obgleich sie doch hinter der gleich-zeitigen westeuropäischen zurückstand, welche bereits, und namentlich