1. Das russische Reich im 17. Jahrh. (1613—1689). 57
Die militärischen Belohnungen für Auszeichnungen oder beson-dere Kriegsdienste waren dieselben wie früher. Die höchste Beloh-nung für ein ganzes Corps oder ein einzelnes Regiment wie für denHöchstkommandirenden war ein gnädiges Wort. des Zaren undseine Frage nach der Gesundheit, vermittelt durch einen derhöchsten kaiserlichen Würdenträger (das Gegentheil davon — derZorn, die Unzufriedenheit des Zaren, verbunden mit Ver-bannung u.s. w.). Dann folgten die kaiserlichen Gnadenbezeugungen:Erhebung zu höherem Bange, reiche Geldgeschenke, Verleihung vonLehn- oder Erbgütern, kostbaren, auf der Brust zu tragenden Kreuzen,goldenen Halsbändern, Solotoi's (Medaillen), Feldlicrrnstäben, Pan-zern, Gewändern, besonders Pelzen (Ehrenpelze und Kaftans), Bechern,Geräthen u. s. w., für die gemeinen Soldaten Geldgeschenke, Gnaden-briefe u. s. w.
Was endlich den eigentlichen Geist im Heere anbetrifft, so stehenda, nach dem Zeugniss russischer wie fremder Zeitgenossen und derThatsachen selbst, neben vielen hellen und wohlthuenden Erscheinungenauch noch mehr dunkle und traurige. Einige Truppen (hauptsächlichdie stehenden, regulär organisirten) schlugen sich unter besondern Um-ständen (namentlich in Festungen, hinter Verschanzungen, örtlichenHindernissen oder dem Fuhrpark) mit aussergewöhnlicher, den russi-schen Soldaten von jeher eigener Tapferkeit, Muth, Ausdauer und mitausgezeichnetem kriegerischem Geiste. Andre (besonders die nur aufZeit dienenden) entwickelten bei anderen Gelegenheiten (namentlich imoffenen Felde) nicht die gehörige Standhaftigkeit, Ausdauer, Muth,Tapferkeit und den wahrhaft kriegerischen Geist, verfielen bei dem gering-sten Misserfolg in Furcht und Schrecken, liefen davon, warfen ihre Fahnenund Waffen fort, Hessen ihre Fahrzeuge im Stich und kamen unter den Strei-chen des Gegners um. Anders konnte es natürlich bei den nur temporärenKriegsaufgeboten auch nicht sein, welche direkt vom Ackerpfluge gegenihren Wunsch und Willen fortgenommen, ohne jede Vorbereitung zumKriegsdienste, ohne einen rechten Begriff von demselben, Krieger nur demNamen und der Bewaffnung nach, nur durch ihre Anzahl stark waren, gänz-lich ohnmächtig aber durch ihreZusammensetzung, durch die mangelndeOr-ganisation, durch ihre Unordnung, wie auch durch den Mangel an Disziplin,an kriegerischem Geiste und an der Vorstellung von kriegerischer Pflicht,Ehre und Muth. Kotoschichin , Pos so schkow und viele Ausländer,welche über Russland zu jener Zeit geschrieben haben , führen Beispieleund Beweise hierfür an, die man weder übertrieben noch unwahrschein-lich finden kann. Kotoschichin sagt, dass »in den Kriegslehnstrup-pen weder gute Organisation, noch Disziplin, noch reguläre Formationherrschte, dass sie aber, weil sie nach Beendigung des Krieges oder