50 I. Kriege von 1613-1659.
Von der Versorgung der Truppen mit Waffen, Geschützen und allemKriegsmaterial und Zubehör war schon oben die Rede. Es bleibt noch an-zuführen, dass die Magazine für alle diese Dinge sich in Moskau, Nowgorod,Pskow und anderen grossen Hauptfestungen befanden. Die Wojewodender Regimenter empfingen, wenn sie zum Kriege zogen, diese VorrätheandenSammelortcn, darunter auch Belagerungsgeschütze, und bisweilenentnahmen sie ausserdem noch auf dem Marsche aus Festungen, welcheam Wege oder nahe bei demselben lagen, Festungsgeschütze so viel siederen bedurften.
Mit Dienst- und Zugpferden versorgte die Regierung alle Truppenfremder Formation und die Strelitzen, gleichwie alle Verwaltungen deraktiven Heere (Ratj) und deren Regimenter, Artillerie und Train Le-bensmittel, Waffen u. s. w. von ihr erhielten. Für die Dienstpferde warnur die Grösse vorgeschrieben ; nach Beendigung des Krieges wurdensie den Bauern zur Durchfütterung übergeben, je 1 auf 4 Höfe (s. oben).Die Lastpferde wurden vom »Pfluge« fortgenommen, weshalb sie auch»Pflugpferde« (possoschnye) Wessen; sie wurden in grosser Mengegefordert und zusammengebracht. so dass diese Auflage eine sehrdruckende und die Verpflegung der Pferde eine sehr schwierige war.
Der Tross bei den aktiven Corps und deren Regimentern war unge-heuer, weil 1) die Ober- und die Regimentswojewoden, die obersten Füh-rer der verschiedenen Verwaltungen, die Offiziere zweiten Grades und allezu ihnen gehörenden Beamten eine je nach Rang und Amt grössere odergeringere Anzahl eigner und mit Pferden bespannter Fahrzeuge für ihrGepäck, Lebensmittel, Zelte u. s.w. besassen; — 2) weil das gesammteGeschütz, namentlich die ungeheuren Belagerungsgeschütze, die Vor-rathswaffen, die Kriegs- und Lebensmittelvorräthe, Arbeitswerkzeugeu. s. w. zu ihrer Fortschaffung einer sehr grossen Anzahl von Gespannenund Fuhrwerk bedurften; — 3) weil alle Kriegs-Lehns-Truppen, diefremder Formation wie die speziell russischen , ihr gesammtes Kriegs-material und die Lebensmittelvorräthe auf bespannten Fahrzeugen mitsich führen mussten ; — und 4) weil ausserdem bei allen Corps und Regi-mentern grosse bespannte Marketenderwagen folgten. Genau anzugeben,wie viele Fahrzeuge und Lastthiere auf jeden Mann der Front kamen,ist um so weniger möglich , als es gar keine Regel für die Menge desTrains bei den Corps, Regimentern und Heerestheilen gab. Nimmt manaber als eine auf massige Berechnung gegründete Durchschnittszahl nur1 Fuhrwerk und dazu 1 Pferd und 1 Trossknecht auf J Mann der Frontan, so ergiebt das auf 100000 Soldaten ebensoviel Fahrzeuge, Pferdeund Trossknechte, ungerechnet die Bedienten der Offiziere, die Train-soldaten und die Marketender. Danach ist es nicht weiter zum Verwun-dern , dass' die russischen Heerestheile jener Zeit, in ihren Bewegungen