Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

1. Das russische Keich im 17. Jahrh. (16131G89). 47

Formation, das Strelitzenc olle gium mit allen Strelitzen, und dasArtilleriecolleg mit sämrntlichen zum Geschützwesen gehörigenPersonen und mit Anfertigung aller Kriegsvorräthe des letzteren.Die 3 letzterenCollegien überreichten ihre Listen an das Adelscolleg.

Ausserdem existirten noch: das klein russische Colleg(Coniite, Prikas), das nach der Vereinigung mit Kleinrussland dessenHeer verwaltete, welches stets in einer Stärke von 60 000 Mann bereitsein musste, Collegien (Prikase), welche die Anfertigung und Veraus-gabung der blanken Waffen, Trommeln, Lunten, Schaufeln, Spaten u. s. w.an die Armee zu besorgen hatten, und zeitweilige Comites: für dieAushebung der Datotschnye Ljudi, aus 2 höheren Beamten mit einemDjaken und Kanzler bestehend, für die Beschaffung von Geld zur Be-soldung der Truppen, unter Präsidium eines Bojaren, mit 2 Djaken undKanzler, für Beschaffung, Aufbewahrung und Vertheilung von Brodund Fleisch für Magazine und Heer, nach den Regimentern der Adels-und der übrigen Collegien. Diese Lieferung erfolgte Possochami'),d.h. nach der damaligen Vertheilung der Ackerfelder, von jeder Tschet-wert (heutige 112 dessjatine).

Ueberblicken wir im Ganzen die Organisation der kriegsadministra-tiven Heeresverwaltung in Friedens- und Kriegszeiten, so muss manderen ausserordentliche Complizirtheit und Verschiedenartigkeit, Förm-lichkeit und umfassende Thätigkeit, Aufgaben und Schreibwesen zu-geben , namentlich in dem Adelscolleg. In diesem floss aus allen Re-gierungsorten eine zahllose Menge von Schriftstücken aller Art, Ver-zeichnissen und Sachen zusammen, von ihm ging eine gleiche Mengevon Verordnungen über alle Theile der Heeresverwaltung nach allenOrten des Staates aus. Dies brachte eine colossale Schreiberei undArbeit über alle möglichen Gegenstände hervor, von den wichtigsten biszu den unbedeutendsten, die um so grösser war, als das Heeres-Lehns-System zu einem Eingehen in die geringfügigsten Details führte undzugleich mit der allgemeinen Abneigung gegen den Kriegslehnsdienstund mit den daraus hervorgehenden Missständen zu kämpfen hatte.Dies Alles bildete eine äusserst schwierige, kaum durchzuführende Auf-gabe, die indessen gleichzeitig ungemein wichtig war, weil von ihrergeregelten Ausführung die Instandhaltung der ganzen bewaffneten Machtabhing, die dem Gesetze gemäss von den Lehns- und Erbgütern aufge-stellt werden sollte. Und bei alledem bezeugen, wunderbarer Weise,die Adelsbücher und die kriegsgeschichtlichen Thatsachen selber, dassdie oben bezeichneten Aufgaben sehr befriedigend gelöst wurden, und

*) Possochami hiess die Eintheilung der bäuerlichen Ackerfelder po ssocham(nach Hakenpflügen). Anm. d. Ueb.