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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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1. Das russische Reich im 17. Jahrh. (16131689). 37

sich hinter der Infanterie oder den Fahrzeugen in Sicherheit und sammeltesich hier zu neuen Angriffen. Das Fussvolk dagegen hielt unter demSchutze der Wagenburg und unter Mitwirkung der Artillerie den Anpralldes Gegners mit grösserer Standhaftigkeit und Ausdauer aus, als wennes im freien Felde ganz ungeschützt stand, indem es nur bemüht war, denFeind abzuschlagen. Gelang ihm dies, so erneuerte die Reiterei ihre At-take, bisweilen aber hatte sie auch schon nach dem ersten Misserfolge denKücken gewendet und Schlachtfeld, Fussvolk, Geschütze und Wagenburggänzlich verlassen. Die Schlachten waren also auf Seiten des russischenHeeres mehr Vertheidigungsschlachten hinter Wagenburgen, als Angriffs-bataillen mit 3 nach einem allgemeinen Plane gemeinschaftlich opcrircn-den Truppengattungen. Und überhaupt gaben die russischen Heere,wenn sie im offenen Felde agirten, einem offensiv-defensiven Verhaltenin der Nähe von Festungen oder Städten, hinter Terrainhindernissen,Verschanzungen oder Wagenburgen den Vorzug und vertheidigten sichin solchen Fällen mit grosser Standhaftigkeit. Es ist noch zu erwähnen,dass trotz der grossen Menge von Cavallerie der Sicherheitsdienst nursehr ungenügend und oft nachlässig betrieben wurde, so dass dies häufigzu plötzlichen feindlichen Angriffen und zu Niederlagen der russischenHeere führte, und dabei fielen denn oft die zahlreichen Geschütze undFahrzeuge den Feinden in die Hände.

Im Uebrigen bestanden alle früheren Gebräuche auf den Märschen,vor, während und nach dem Gefechte, wie sie ihres Orts geschildert wur-den, auch noch zu dieser Zeit fort, namentlich das Plündern seitens derKriegsprovinzialaufgebote, welche sich auf eigene Kosten unterhielten, und die ungeheure Menge von Trossknechten, welche aus Gesindelaller Art bestand.

Als ein Beispiel, wie die russischen Truppen selbst noch gegen Endedes 17. Jahrhunderts marschirten und im Felde operirten, kann man dieMarschordnungen u. s. w. des Fürsten Wassilij Wassilje witschGalitzin während des 1. und 2. Krymfeldzuges in den Jahren 1G87und 1689 betrachten. In dem 1. Feldzuge 1687 brach das aus 40 000 Solda-ten und Strelitzen, 20 000 Pikenieren und Reitern, 40 000 Mann mos-kauischer Regimenter, gedienten Leuten aus dem Regimentsdienste, Ka-saken und verschiedenen Anderen bestehende Heer ungefähr um dieMitte Mai vom Flusse Merlo durch die Steppe zum Konskja Wody auf.Voraus marschirten 5 Strelitzen-Regimenter und 2 Soldaten - Eliteregi-menter (Aggei Schepelew und Gordon), hinter diesen folgte die Haupt-macht in einer einzigen grossen Colonne in Form eines langen Rechtecksvon mehreren Werst *) Front und 6 Werst Tiefe. Im Innern dieses Vier-

*) 1 Werst circa = 1 Kilometer. Anm. d. Ueb.