36 I. Kriege von 1613—1689.
gen von den Alten ablernten, dass im G-anzen von regelmässiger Auf-stellung und Kampfart bei ihnen nicht die Rede war, und dass in dieserHinsicht sie eher zu den irregulären, als zu den regulären Truppenzählten.
Dasselbe gilt auch von den Kanonieren und den übrigen zur Artillerieund Fortification gehörenden Branchen.
Die Soldatenregimenter fremder Formation fochten, gleich den Rei-tern und Dragonern, nach der Art des polnischen und besonders desschwedischen Fussvolks und waren verhältnissmässig wenig zahlreich.
Die Übrige russische Infanterie war und kämpfte irregulär.
Die Artillerie konnte, bei all' ihren Unvollkommenheiten, bei derschlechten Ausbildung der Stiickknechte, der mangelhaften Schiessfähig-keit und Bespannung der Geschütze mit Zugpferden, und abgesehen vonihrer geringen Zahl, nicht einmal den massigen Anforderungen an er-folgreiche und nützliche Unterstützung des Fussvolks und besonders derCavallerie bei allen Gelegenheiten und Verhältnissen des Kampfes imoffenen Felde entsprechen; etwas werthvoller war ihre Mitwirkung ineiner Position hinter der Wagenburg, oder durch Feldbefestigungen oderFestungen gedeckt.
Solchergestalt hatte, allgemein gesprochen, weder Reiterei, nochFussvolk, noch Artillerie, jede für sich, noch auch alle zusammen, einereguläre Formation und Bewegungsart und Kampfart im offenen Felde.
Auf den Märschen verhielten sie sich fast ganz wie früher: vorausund auf den Seiten die leichte Reiterei zur Aufklärung, dahinter einAvantgardenregiment aus den zuverlässigsten Truppen, das Gros (Bol-schoi Polk) und die Arrieregarde, die Artillerie dazwischen in der Mitte,die Bagage hinten. In Folge der gewöhnlichen Schwerfälligkeit desTrains ging die Marschbewegung nur sehr langsam vor sich, Tage-märsche von höchstens 10—15 Kilometer, und mit grosser Behutsamkeit,weil die Truppen im offenen Felde lieber sich vertheidigten als angriffen.Zur Vcrtheidigung aher niusste man möglichst alle Kräfte geschlossenbeisammenhalten, um beim Angriffe des Feindes sich hinter der Wagen-burg decken zu können. Deshalb marschirte, wenn das Terrain es irgendzuliess, das Heer in der Nähe des Feindes in Schlachtordnung, die Rei-terei vorn und zu den Seiten, das Fussvolk mit der Artillerie und denFahrzeugen dahinter.
Beim Zusammenstosse mit dem Feinde blieb Fussvolk und Artille-rie bei der Bagage, indem sie sich hinter den Fahrzeugen schützten, dieCavallerie aber warf sich mit Ungestüm, aber ohne jede regelrechte Ord-nung auf den Feind, und wenn sie abgeschlagen wurde (was in den mei-sten Fälleu geschah), so wandte sie sich ebenso schnell zurück, brachte