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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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34 I. Kriege von 16131689.

nach ihrer korporativen Organisation und den ihnen verliehenen grossenVorrechten und Gerechtsamen mehr Handwerker und Handelsleute alsKrieger, und an Stelle der kriegerischen Disziplin und des rechten krie-gerischen Geistes herrschte bei ihnen der verderbliche Geist der Willkürund Empörung.

Die Fremden, obschon von ausserhalb in den russischen Kriegsdienstgezogen, um das russische Heer durch reguläre Truppen zu verstärken undihm regelrechte Aufstellung und Kampfart beizubringen, waren doch vonverhältnissmässig geringer Zahl und, mit wenigen Ausnahmen, nurschlechte Lehrmeister, weil sie selbst nur wenig verstanden und wussten.Kriegssöldner, indem nach abendländischen Begriffen jener Zeit bar-barischen Moskowien Gewinnst, Existenzmittel und Bereicherungdurch das Kriegshandwerk suchend, gehörten sie nicht zu den bestenRepräsentanten West-Europas und hatten, wie es scheint, nur wenig Vor-stellung vom Kriegswesen. Immerhin besassen sie wenigstens eine ge-wisse reguläre Organisation und übten sich wie auch die Andern, so gutes ging, in der regelrechten Aufstellung und Kampfweise, welche in West-Europa üblich war. Ihre Schüler waren die russischen Reiter-, Soldaten-und Dragoner-Regimenter, welche mit ihren Lehrern auf derselben zwarnicht besonders hohen, aber doch den Provinzialtruppen überlegenen Stufestanden.

Hinsichtlich der Ausbildung der Truppen fremder Formation in regel-mässiger Aufstellung und Gefechtsweise ist zunächst auf das 1647 unterAlexei Michailowitsch im Druck erschienene Werk: »Unterrichtund Kunst der Heeres-Aufstellung der Infanterie« hinzuweisen. Es istzweifelhaft, ob dasselbe ein dienstlicher Leitfaden für die Ausbildungder Truppen in Deutschland war, oder nur eine Fantasie des Autors,letzteres ist das wahrscheinlichere, dem Inhalte nach zu schliessen.Auch das ist ungewiss, wie weit dieses Buch für die Ausbildung der rus-sischen Truppen vorgeschrieben war, und welchen Nutzen es wohl ge-bracht haben mag. Nur so viel steht fest, dass es im damaligen Russ-land noch gar keine Kriegsbildung gab und auch die Mittel zur Verbrei-tung der Gedanken und Regeln noch sehr mangelhaft waren *).

Unsere Regierung hatte im 17. Jahrhundert Alles gethan, was unterdamaligen Umständen möglich war, um allmälig die reguläre Kriegs-organisation , Formation und Kampfart West-Europa's in das russischeHeer einzuführen. Diese Bemühungen konnten zunächst keinen Erfolghaben, weil die abendländische Heeresausbildung sich nicht auf das alt-russische Kriegssystem aufpfropfen Hess. Das Lokal- oder Provinzial-

*) Obrutschew: Uebersicht der Handschriften und Druckschriften u. s. w.